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Fahrerlebnisse

Fahrertraining im Supercar: Herstellerkurse, Inhalte und Kosten

Porsche, Ferrari, Lamborghini, McLaren, AMG und BMW M: was Herstellertrainings lehren, wie der Weg zur Rennlizenz aussieht und was Kurse 2026 kosten.

Supersportwagen bei einer Fahrt unter Anleitung auf abgesperrter Strecke

Ein Supersportwagen mit 600 oder 800 PS verzeiht Fehler schlechter als ein Kompaktwagen, und seine Regelsysteme kaschieren lange, wie nah der Fahrer am Limit ist. Genau dort setzen Fahrertrainings an. Die meisten Hersteller von Hochleistungsautos betreiben eigene Programme, vom zweistündigen Einstieg bis zur Rennakademie mit Lizenzziel. Dieser Beitrag ordnet die Programme ein, erklärt die Inhalte und den Weg zur Rennlizenz und nennt Kosten nach Herstellerangaben, Stand Oktober 2026.

Die Herstellerprogramme

Porsche

Porsche bündelt seine Angebote unter Porsche Experience mit Track, Travel und Ice Experience. Die Porsche Track Experience gliedert sich in vier Stufen: Discover, Learn, Boost und Race. In der Stufe Learn stehen Precision, ein oder zwei Tage ohne Vorkenntnisse, und Performance, zwei Tage mit Precision als Voraussetzung. Boost umfasst unter anderem Master mit videogestützter Fahrstilanalyse und Ideallinie sowie Master GT3 RS mit Workshops zu Aerodynamik, Fahrwerk und Reifen. Ganz oben steht Race mit der sechstägigen Rennsport Academy, die auf die erste Rennsaison vorbereitet und die Rennlizenz zum Ziel hat. Trainiert wird an 18 Standorten weltweit, darunter die Porsche Experience Center in Hockenheim und Leipzig, Letzteres mit einem 3,7 km langen, FIA-zertifizierten Rundkurs. Die Ice Experience findet in Levi in Finnland statt, aufgeteilt in vier Trainingsstufen.

Ferrari

Ferrari führt seine Fahrprogramme unter dem Namen Esperienza Ferrari, die Rennstreckenkurse heißen Corso Pilota. Inhalte, Stufen und Termine erfragt man am besten direkt bei Ferrari oder beim Händler. Für den Lehrplan wichtig ist der Manettino am Lenkrad, mit dem Ferrari Fahrdynamik und Regelsysteme in Stufen freigibt, dazu weiter unten mehr.

Lamborghini

Lamborghini trennt Erlebnis und Ausbildung. Esperienza Giro sind Touren für Eigentümer im eigenen Auto, etwa in Italien, den USA, China, Japan und Ozeanien. Esperienza Dinamica bietet fünf Themenmodule auf unterschiedlichen Untergründen, Esperienza Avventura führt mit dem Urus abseits befestigter Wege, beides läuft über den Händler. Die eigentliche Fahrschule ist die Lamborghini Accademia mit drei Stufen. Mach I vermittelt die Grundlagen des sportlichen Fahrens auf der Rennstrecke, Mach II führt ans Limit und gibt einen Vorgeschmack auf den Markenpokal Super Trofeo, Mach III verfeinert die Technik bis zur Wettbewerbsreife. Jeder Teilnehmer hat einen eigenen Instruktor, gefahren wird im Temerario, laut Hersteller einem Hybrid mit Biturbo-V8, drei Elektromotoren und 920 CV, auf der 4,1 km langen Strecke von Vallelunga bei Rom. Mental- und Konditionstraining gehören dazu, im Winter ergänzt die Accademia Neve auf Schnee und Eis das Angebot.

McLaren, Mercedes-AMG und BMW M

McLaren bietet seine Fahrprogramme unter dem Namen Pure McLaren an, Mercedes-AMG unter AMG Driving Academy, BMW unter BMW M Driving Experience. Die BMW Driving Experience steht außerdem auf der aktuellen Liste der vom DMSB autorisierten Lizenzlehrgangsanbieter. Für alle drei gilt: Programme und Preise ändern sich von Saison zu Saison, maßgeblich ist das aktuelle Angebot des Herstellers.

Was auf dem Lehrplan steht

Sitzposition und Blickführung

Jedes seriöse Training beginnt im Stand. Der Sitz kommt so weit nach vorn, dass das Knie bei voll getretenem Bremspedal noch leicht gebeugt ist, die Lehne so aufrecht, dass die Handgelenke bei gestreckten Armen oben auf dem Lenkradkranz liegen, während die Schultern an der Lehne bleiben. Die Hände greifen auf neun und drei Uhr und bleiben dort, auch beim Schalten mit den Wippen. Wie Lenkrad, Wippen und Fahrmodusschalter angeordnet sind, beschreibt der Beitrag über das Cockpit eines Supercars. Die zweite Grundregel betrifft die Augen: Das Auto fährt dorthin, wohin der Fahrer schaut. Instruktoren trainieren deshalb den Blick weit voraus, in der Kurve zum Scheitelpunkt und weiter zum Ausgang, und im Notfall auf die freie Fläche statt auf das Hindernis.

Bremsen und Ausweichen

Zentral ist die Vollbremsung: so schnell und kräftig aufs Pedal, dass das ABS sofort regelt, und den Druck halten. Im Ernstfall treten viele Fahrer zu zögerlich, genau das korrigiert die Übung. Im Precision-Training von Porsche gehören Ausweichmanöver und das Einschätzen von Geschwindigkeit in Gefahrenmomenten zum Programm. Auf höheren Stufen folgen Bremspunkte, Bremsen bis in die Kurve hinein und dosiertes Lösen, damit das Auto sauber einlenkt.

Unter- und Übersteuern, Lastwechsel

Beim Untersteuern verlieren die Vorderräder zuerst die Haftung, das Auto schiebt nach außen. Der Reflex, weiter einzulenken, verschlimmert es. Richtig ist, den Lenkwinkel leicht zu öffnen und Tempo herauszunehmen, bis die Reifen wieder greifen. Beim Übersteuern drängt das Heck nach außen, dann hilft schnelles, dosiertes Gegenlenken mit Blick in die gewünschte Richtung. Mittelmotorautos drehen wegen ihres geringen Trägheitsmoments um die Hochachse schneller ein als Frontmotorwagen, das Zeitfenster für die Korrektur ist kürzer. Wie Antrieb und Hinterachslenkung das Verhalten prägen, erklärt der Beitrag Allrad gegen Heckantrieb. Ein Sonderfall ist der Lastwechsel: Wer in der Kurve abrupt vom Gas geht, verlagert Gewicht nach vorn, die Hinterachse wird entlastet und das Heck kann kommen. Porsche nennt die Auswirkungen schon geringer Geschwindigkeitsunterschiede auf den Lastwechsel ausdrücklich als Inhalt des Precision-Trainings.

Fahrprogramme und ESP-Stufen

Moderne Supersportwagen regeln Traktion und Stabilität in mehreren Stufen, bei Ferrari über den Manettino mit Positionen wie Wet, Sport, Race, CT Off und ESC Off, bei Lamborghini über den Wahlschalter ANIMA mit Modi wie Strada, Sport und Corsa, bei Porsche über die Sportstufe der Stabilitätskontrolle PSM. Zwischenstufen lassen mehr Schlupf und Drift zu, greifen aber vor dem Dreher noch ein. Gute Trainings arbeiten sich schrittweise vor: erst mit voller Regelung, dann in der Sportstufe und erst auf Gleitfläche oder Eis ganz ohne. So lernt man, wo das System die Grenze zieht, statt sich auf der Straße davon überraschen zu lassen.

Vom Einsteigerkurs zur Rennlizenz

Wer nach den Kursen Rennen fahren möchte, braucht eine Lizenz, in Deutschland vom DMSB. Die Nationale Lizenz Stufe A kann ab 14 Jahren beantragen, wer einen vom DMSB genehmigten Fahrerlehrgang bestanden hat, bereits eine entsprechende Lizenz besaß oder mit einer niedrigeren Lizenz drei gewertete Wettbewerbe in 24 Monaten nachweist. Nach dem Lehrgang muss der Antrag innerhalb von drei Monaten folgen. Bei der ersten Nationalen Lizenz Stufe A ist eine einmalige medizinische Eignungsuntersuchung Pflicht, für internationale Lizenzen jährlich. Für einzelne Veranstaltungen gibt es die Race Card, gedacht für Einsteiger, die ein- oder zweimal im Jahr starten.

Die internationale Rundstreckenlizenz der Stufe D-Circuit, Mindestlizenz etwa für GT- und Tourenwagen mit mehr als 3 kg/PS Leistungsgewicht, setzt fünf gewertete Wettbewerbe mit nationaler Lizenz und ein E-Learning-Sicherheitstraining der FIA voraus. Für die meisten Rennen auf der Nordschleife ist zusätzlich das DMSB Permit Nordschleife nötig: Rennerfahrung oder ein anerkannter Lehrgang plus ein jährlich zu wiederholender E-Learning-Kurs. Herstellerakademien wie die Rennsport Academy von Porsche oder die Lamborghini Accademia bereiten gezielt auf diese Schritte vor.

Was ein Training kostet

Porsche nennt für seine Track Experience öffentlich Preise in Euro und eignet sich daher als Maßstab. Alle Werte gelten ab, inklusive Mehrwertsteuer, Stand Oktober 2026.

ProgrammStufeDauerPreis ab
Pilot Basis, HockenheimEinstieg2 Stunden, davon 60 Minuten Fahrzeit350 Euro, mit eigenem Porsche 200 Euro
PrecisionLearn1 Tag2.400 Euro mit Leihwagen, 1.400 Euro mit eigenem Porsche
PerformanceLearn2 Tage2.400 Euro
MasterBoost2 Tage3.999 Euro
Master GT3 RSBoost2,5 Tage6.299 Euro
Master RacecarBoost2 Tage25.399 Euro
Rennsport AcademyRace6 Tage84.999 Euro

Die Spanne reicht also von einigen Hundert Euro für den Schnupperkurs über 1.400 bis 4.000 Euro für ein- bis zweitägige Rennstreckentrainings bis zu fünfstelligen Beträgen für Kurse im Rennwagen. Ein persönlicher Instruktor kostet beim Precision-Training in Hockenheim 1.750 Euro pro Tag zusätzlich. Hinzu kommen Anreise, Hotel und mit dem eigenen Auto der Verschleiß, denn Reifen und Beläge leiden auf der Strecke weit stärker als im Alltag, mehr dazu im Beitrag über Reifen für Supercars.

Nutzen für die Sicherheit

Der größte Gewinn ist nicht die schnellere Rundenzeit, sondern ein realistisches Bild der eigenen Grenzen und der des Autos. Wer auf nasser Gleitfläche erlebt hat, wie früh ein Mittelmotorauto auf einen Lastwechsel reagiert, fährt auf der Landstraße mit mehr Reserve. Vollbremsung und Ausweichen werden als Bewegungsmuster eingeübt und stehen im Ernstfall schneller zur Verfügung. Hinzu kommt das Verständnis der Regelsysteme: Wer weiß, was die Sportstufe noch zulässt, schaltet sie auf öffentlichen Straßen nicht leichtfertig ab. Sinnvoll ist ein Training vor allem für Käufer, die direkt aus einem Alltagsauto in ein Fahrzeug mit 600 PS und mehr wechseln, und als Vorbereitung auf den ersten Trackday.

Worauf bei der Buchung zu achten ist

Viele Kurse lassen eigenes Auto und Leihwagen zu. Mit dem eigenen Auto ist es günstiger, Verschleiß und Schadensrisiko trägt dann aber der Fahrer, und viele Kfz-Versicherungen schließen Fahrten auf Rennstrecken aus. Ob und wie ein Schaden gedeckt ist, hängt vom Vertrag und den Bedingungen des Veranstalters ab, das sollte vor der Buchung geklärt sein. Bei Leihwagen gehören Selbstbeteiligung und Haftung ins Kleingedruckte. Außerdem lohnt die Frage nach Gruppengröße, Fahrzeit pro Tag und Zahl der Instruktoren. Wer mit dem eigenen Supercar kommt, prüft vorher Reifenalter, Profil und Bremsbeläge.

◦ Häufige Fragen
Brauche ich für ein Herstellertraining ein Auto der Marke?
Nicht unbedingt. Porsche bietet die meisten Kurse mit Leihwagen oder eigenem Porsche an, die Lamborghini Accademia stellt den Temerario. Touren wie Esperienza Giro setzen dagegen einen eigenen Lamborghini voraus.
Ab welchem Alter kann man teilnehmen?
Für das Einstiegsprogramm Pilot Basis in Hockenheim verlangt Porsche ein Mindestalter von 18 Jahren und einen gültigen Führerschein. Die Nationale Lizenz Stufe A des DMSB kann grundsätzlich ab 14 Jahren beantragt werden. Für einzelne Programme gelten eigene Voraussetzungen, etwa ein abgeschlossenes Vortraining.
Ersetzt ein Herstellertraining den Lizenzlehrgang?
Nur, wenn es als vom DMSB genehmigter Fahrerlehrgang ausgeschrieben ist. Die BMW Driving Experience gehört zu den autorisierten Anbietern, die Rennsport Academy von Porsche nennt die Rennlizenz ausdrücklich als Ziel. Vor der Buchung beim Anbieter nachfragen, ob der Kurs zur Lizenz berechtigt.
Lohnt sich ein Training auf Eis?
Für das Gefühl am Grenzbereich sehr. Auf Eis passieren Lastwechsel, Übersteuern und Gegenlenken bei niedrigem Tempo, Fehler bleiben folgenlos. Porsche bietet die Ice Experience in Levi in vier Stufen an, Lamborghini die Accademia Neve.