Alpenpässe im Supercar: Traumstraßen, Saison, Maut und Fahrtechnik
Stilfser Joch, Großglockner, Furka, Tremola und mehr: Passhöhen, Kehren, Saison und Maut 2026, dazu Fahrtechnik bergab, Liftsystem und Tempolimits.

Kaum eine Straße zeigt so deutlich, was ein Supersportwagen kann und wo seine Grenzen liegen, wie eine Alpenpassstraße: bergauf enge Kehren und kurze Geraden, bergab eine Prüfung für Bremsen und Geduld. Dieser Überblick nennt Höhen, Längen, Saison und Maut nach Angaben der Betreiber und des Touring Club Schweiz (TCS), Stand Oktober 2026, und erklärt, wie man die Strecken mit einem tiefen, breiten und schweren Auto souverän und rücksichtsvoll fährt.
Die Strecken im Überblick
Längen schwanken je nach Quelle, weil manche von Talort zu Talort messen und andere nur die Bergstrecke, auch Kehren werden unterschiedlich gezählt. k. A. steht für Strecken ohne verlässliche Kehrenzahl.
| Strecke | Passhöhe | Länge | Kehren | Übliche Saison | Maut Pkw 2026 |
|---|---|---|---|---|---|
| Stilfser Joch (I) | 2.757 m | rund 49 km, Prad bis Bormio | 48 im Norden, rund 36 bis 40 im Süden | Ende Mai oder Juni bis Anfang November | keine |
| Großglockner Hochalpenstraße (A) | 2.504 m am Hochtor | 48 km | 36 | Anfang Mai bis Anfang November | 46,50 Euro Tageskarte |
| Timmelsjoch (A/I) | 2.474 m | rund 35 km, Untergurgl bis Moos | rund 30 | Mai oder Juni bis Anfang November, 7 bis 20 Uhr | 20 Euro einfach, 28 Euro hin und zurück |
| Furkapass (CH) | 2.429 m | rund 29 km, Obergoms bis Realp | k. A. | meist Juni bis Oktober | keine |
| Grimselpass (CH) | 2.164 m | 32,5 km, Innertkirchen bis Gletsch | k. A. | meist Juni bis Oktober | keine |
| Sustenpass (CH) | 2.224 m | rund 45 km, Innertkirchen bis Wassen | k. A. | meist Juni bis Oktober | keine |
| Gotthardpass mit Tremola (CH) | 2.106 m | rund 26 km, Tremola rund 4 km | 24 auf der Tremola | meist Juni bis Oktober | keine |
| Transfăgărășan (RO) | 2.042 m | rund 90 km Bergstrecke | k. A. | meist Ende Juni bis Oktober | keine Streckenmaut, Vignette nötig |
Die Pässe im Einzelnen
Stilfser Joch
Das Stilfser Joch verbindet Prad im Vinschgau mit Bormio im Veltlin. In den Alpen liegt nur der Col de l'Iseran sieben Meter höher, bis zu dessen Eröffnung 1937 war das Stilfser Joch die höchste Alpenstraße. Gebaut wurde es von 1820 bis 1825 unter dem Ingenieur Carlo Donegani. Berühmt ist die Nordrampe mit 48 nummerierten Kehren, von 48 im Tal bis 1 unter der Passhöhe heruntergezählt, und bis zu 1.844 Höhenmetern am Stück. Die Südseite nach Bormio ist flüssiger, zählt je nach Quelle aber noch einmal rund 36 bis 40 Kehren, darunter die 16 engen Kehren der Spondalunga. Mit 17 km am kürzesten ist die Auffahrt über den Umbrailpass aus dem Schweizer Münstertal. Maut fällt nicht an. Die Wintersperre begann 2023 am 31. Oktober und 2024 am 4. November.
Großglockner Hochalpenstraße
Die Großglockner Hochalpenstraße führt auf 48 km mit 36 Kehren von Fusch in Salzburg nach Heiligenblut in Kärnten. Höchster Punkt der Durchfahrt ist das Hochtor auf 2.504 m, eine rund 1,6 km lange Stichstraße führt zur Edelweißspitze auf 2.571 m. Die von Franz Wallack geplante Straße wurde am 3. August 1935 eröffnet und steht unter Denkmalschutz, die Steigung erreicht 12 Prozent. Nachts ist sie gesperrt: Von Juni bis August ist von 5.30 bis 21 Uhr offen, ab dem 27. Oktober 2026 nur noch von 8 bis 17 Uhr. Die Pkw-Tageskarte kostet 2026 laut Betreiber 46,50 Euro, für Elektroautos 40 Euro. Ab 18 Uhr und ab dem 15. Oktober als Herbsttarif gelten 36,50 Euro, die Abendrunde ist also günstiger und ruhiger.
Timmelsjoch
Das Timmelsjoch verbindet auf 2.474 m das Ötztal mit dem Passeiertal in Südtirol: 11,9 km von Untergurgl zur Passhöhe, 22,7 km hinunter nach Moos, zusammen rund 30 Kehren mit bis zu 13 Prozent Steigung bei 4 bis 6 m Fahrbahnbreite. Durchgehend befahrbar ist die Strecke seit 1968, geöffnet täglich von 7 bis 20 Uhr. Die Saison 2026 begann laut Betreiber am 13. Mai so früh wie nie, 2025 endete sie am 2. November. Die Maut von 20 Euro einfach oder 28 Euro hin und zurück wird in Österreich erhoben und gilt für beide Rampen. Die Südrampe ist steil und schmal, für große Fahrzeuge gelten dort Beschränkungen.
Furka, Grimsel und Susten
Grimsel, Furka und Susten bilden die Berner Alpenrunde, die der TCS ab Meiringen mit rund 120 km beschreibt. Der Grimselpass (2.164 m) steigt auf 32,5 km von Innertkirchen an Stauseen vorbei nach Gletsch im Wallis. Dort beginnt der Furkapass (2.429 m) nach Realp, knapp 30 km lang und bis 11 Prozent steil, mit Blick auf den Rhonegletscher und das 2015 geschlossene Hotel Belvédère. Am Furka entstanden 1964 Szenen für den Bond-Film Goldfinger. Der Sustenpass (2.224 m) verbindet Innertkirchen auf rund 45 km mit Wassen. Er wurde 1946 eröffnet, ein Scheiteltunnel unterquert die Passhöhe, die Steigung bleibt bei höchstens 9 Prozent, die Serpentinen sind großzügig angelegt. Für schwere, breite Autos ist er die angenehmste der drei Strecken. 2026 öffneten Furka und Grimsel am 29. Mai.
Gotthard und Tremola
Der Gotthardpass (2.106 m) verbindet Andermatt auf rund 26 km mit Airolo. Die Attraktion liegt auf der Tessiner Seite: Die Tremola, 1827 bis 1830 nach Plänen von Francesco Meschini gebaut, gilt als längstes Straßenbaudenkmal der Schweiz. Im spektakulärsten Abschnitt überwindet sie auf rund 4 km etwa 300 Höhenmeter in 24 Kehren mit eigenen Namen, einzelne sind bis 11 Prozent steil. Das Granitpflaster wurde 2009 bis 2011 restauriert. Für ein Supercar heißt das: niedriges Tempo, feinfühlig anfahren, auf nassem Pflaster kein Gasstoß. Der Pass ist laut TCS meist von November bis Mai gesperrt, seit 1980 führt der Straßentunnel wintersicher darunter hindurch.
Ausblick: Transfăgărășan
Die Transfăgărășan, Nationalstraße DN7C, quert das Făgăraș-Gebirge in den Südkarpaten und erreicht am Bâlea-See 2.042 m. Die Bergstrecke ist rund 90 km lang, die ganze Straße 151 km. Eröffnet wurde sie 1974, der Bâlea-Tunnel ist mit 884 m der längste Straßentunnel Rumäniens. International bekannt machte sie 2009 die Sendung Top Gear, die sie zur besten Straße der Welt erklärte. Die Hochstrecke ist meist von Ende Oktober bis Ende Juni gesperrt. Für 2026 plante die Straßenverwaltung CNAIR die Freigabe zum 12. Juni, auf dem Abschnitt Piscu Negru bis Bâlea Cascadă nur von 7 bis 21 Uhr. Streckenmaut gibt es nicht, für rumänische Nationalstraßen ist aber die Vignette Rovinietă Pflicht. Sperrungen für Radrennen wie am 6. Juli 2026 sprechen für einen Puffertag.
Planung und beste Tageszeit
Die wichtigste Regel lautet: früh los. Die Großglocknerstraße öffnet im Hochsommer um 5.30 Uhr, das Timmelsjoch um 7 Uhr. In den ersten Stunden sind Busse, Wohnmobile und Motorradgruppen noch nicht am Berg, das Licht ist flach. Gut ist auch der frühe Abend. Werktage sind ruhiger als Wochenenden, Juli und August voller als Juni und September. Im Herbst ist die Luft klar, dafür drohen nasses Laub, Reif in schattigen Kehren und kurzfristige Sperrungen, den Stand zeigt das Pässe-Portal des TCS. Im Hochgebirge ziehen im Sommer nachmittags oft Gewitter auf, und eine nasse Passstraße ist mit Semislicks heikel. Warum, erklärt der Beitrag über Reifen für Supercars.
Bergab: Motorbremse statt Dauerbremsen
Bergauf zählt Leistung, bergab Wärme. Ein 1.700 kg schweres Auto setzt auf 1.800 Höhenmetern rund 30 Megajoule Lageenergie frei (1.700 kg mal 9,81 m/s² mal 1.800 m), genug, um rund 90 Liter Wasser von 20 auf 100 Grad zu erhitzen. Ein Teil geht in Luft- und Rollwiderstand, den Rest müssen Motor und Bremsen abbauen. Faustregel: bergab den Gang wählen, den man bergauf bräuchte. Bei Doppelkupplungsgetrieben heißt das manueller Modus, sonst schaltet die Automatik im Schub hoch.
Vor der Kehre auf der Geraden kurz und kräftig verzögern, dann lösen, statt die Bremse schleifen zu lassen. Stahlbremsen lassen bei Überhitzung nach, das sogenannte Fading. Kritischer ist die Bremsflüssigkeit: Wird sie zu heiß, bilden sich Dampfblasen und das Pedal wird weich. Carbon-Keramik-Bremsen vertragen mehr Hitze, Beläge und Flüssigkeit aber nicht unbegrenzt. Hybride gewinnen im Schub nur Energie zurück, solange die Batterie Ladung aufnimmt. Wer voll geladen oben ankommt, bremst bergab fast nur mechanisch.
Bodenfreiheit und Liftsystem
Ein tiefer Frontsplitter scheitert selten an der Fahrbahn, sondern an Übergängen: Parkplatzeinfahrten, Rinnen an Mautstellen, Schwellen in Ortschaften, Hotelrampen. In engen Kehren ist die Innenseite deutlich steiler als außen, weil dort derselbe Höhenunterschied auf kürzerer Strecke liegt. Wer bergauf innen fährt, setzt leichter auf, die Außenbahn ist flacher, verlangt aber freie Sicht auf den Gegenverkehr. Viele aktuelle Modelle von Ferrari, Lamborghini, McLaren und Porsche heben die Vorderachse per Knopfdruck um einige Zentimeter an und senken sie oberhalb eines Grenztempos wieder ab, manche merken sich Orte per GPS. Gegen Stöße auf dem Pflaster der Tremola hilft der Lift wenig, dort helfen das weichste Fahrwerksprogramm und Schritttempo.
Rücksicht: Radfahrer, Anwohner und Lärm
Im Sommer sind auf den bekannten Pässen sehr viele Radfahrer unterwegs. Überholt wird nur, wo die Sicht über die nächste Kehre reicht, mit weitem Seitenabstand und ohne Gasstoß neben dem Rad. Bergab sind Rennräder oft so schnell wie Autos und brauchen in Kehren die ganze Spur. Am 30. August 2026 etwa war das Timmelsjoch für den Ötztaler Radmarathon von 11 bis 19.30 Uhr gesperrt. Beim Lärm sinkt die Geduld in vielen Alpentälern, und das Schweizer Straßenverkehrsgesetz verbietet vermeidbare Belästigung durch Lärm ausdrücklich. In Ortschaften also das ruhigste Fahrprogramm wählen und die Klappen schließen. Wie Klappen und Geräuschvorschriften zusammenhängen, steht im Beitrag über den perfekten Supercar-Sound. Wer Leistung ausfahren will, ist auf einem Trackday besser aufgehoben.
Tempolimits und Kontrollen
Auf Passstraßen gelten die allgemeinen Limits, sofern Schilder nichts anderes anordnen.
| Land | Innerorts | Außerorts | Autobahn |
|---|---|---|---|
| Österreich | 50 km/h | 100 km/h | 130 km/h |
| Schweiz | 50 km/h | 80 km/h, Autostraße 100 km/h | 120 km/h |
| Italien | 50 km/h | 90 km/h, Hauptverkehrsstraße 110 km/h | 130 km/h |
Die Schweiz ahndet krasse Verstöße mit dem Raserartikel (Art. 90 Abs. 3 und 4 SVG): mindestens 40 km/h zu schnell in Tempo-30-Zonen, 50 km/h bei Tempo 50, 60 km/h bei Tempo 80 oder 80 km/h auf schnelleren Strecken. Vorgesehen ist eine Freiheitsstrafe von einem bis vier Jahren, seit Oktober 2023 ist für Täter ohne schweres Verkehrsdelikt in den zehn Jahren davor auch eine Geldstrafe möglich. Dazu kommen ein langer Ausweisentzug, für ausländische Fahrer ein Fahrverbot in der Schweiz, und die mögliche Einziehung des Autos. In Österreich führen mehr als 40 km/h zu viel im Ortsgebiet oder mehr als 50 km/h außerhalb zum Entzug der Lenkberechtigung, bei ausländischen Führerscheinen zum Lenkverbot, beim ersten Mal für zwei Wochen bis sechs Monate. Italien misst mit Autovelox-Anlagen, auf Autobahnen auch abschnittsweise mit dem System Tutor. Bußgelder aus Österreich und Italien erreichen deutsche Halter über den EU-weiten Austausch von Halterdaten. Die Folgen hängen stets vom Einzelfall ab.


