Bentley Blower in vier Größen: Original, Blower Jnr und zwei Modelle
Bentley zeigt in Crewe den Blower von 1929, den elektrischen Blower Jnr in 85 Prozent Größe und zwei Amalgam-Modelle. Die ersten 25 Blower Jnr sind fertig.

Bentley Motors hat in Crewe ein ungewöhnliches Familientreffen inszeniert. Vier Ausführungen des legendären Blower standen nebeneinander, jede in einem anderen Maßstab. Im Zentrum das Original, der 4½ Litre Supercharged Team Car No. 2 von 1929, um ihn herum der fahrbare Blower Jnr von Hedley Studios und zwei Sammlermodelle von Amalgam Collection in 1:8 und 1:18. Der Anlass hat auch einen handfesten Kern: Die ersten 25 Blower Jnr sind fertig gebaut und werden für die Auslieferung an ihre Kunden vorbereitet.
Das Original: Team Car No. 2
Der Wagen mit dem Kennzeichen UU 5872 gilt als Kronjuwel der Bentley Heritage Collection. Er ist einer von vier Team-Blowern, die für den Wettbewerb entstanden, und startete 1930 bei den 24 Stunden von Le Mans. Mit seinen Proportionen und der offen liegenden Mechanik zählt er zu den bekanntesten Autos aus der frühen Rennsportzeit der Marke. Im Ruhestand ist er nicht: Der Blower tritt weiterhin bei Veranstaltungen und historischen Fahrerlebnissen in aller Welt auf.

Blower Jnr: 85 Prozent, elektrisch, zugelassen
Der Blower Jnr wurde 2023 als Gemeinschaftsprojekt von Bentley Motors und The Little Car Company vorgestellt, die heute unter dem Namen Hedley Studios firmiert. Er bildet das Original in 85 Prozent der Größe nach, fährt rein elektrisch und darf auf öffentlichen Straßen bewegt werden. Der Antrieb leistet 23 kW (31 bhp), die Höchstgeschwindigkeit liegt bei mehr als 80 km/h (50 mph), die zertifizierte Reichweite bei bis zu 120 Kilometern (75 Meilen).
Gebaut werden die Fahrzeuge im Atelier von Hedley Studios in Bicester. Das erste der 25 fertigen Exemplare gehört Bentley selbst und wurde bereits auf den Campus in Crewe geliefert. Hinter der historischen Form steckt viel Entwicklung, Erprobung und Homologation, denn die moderne Technik soll im Auto möglichst unsichtbar bleiben, damit der analoge Charakter des Vorbilds erhalten bleibt.

„Das Schwierigste daran, einen Bentley von 1929 nachzubauen, ist alles, was man nicht sieht.“ Ben Hedley, Gründer von Hedley Studios
Hedley zählt dazu Scheinwerfer, Blinker und Bremsanlage, die elektrische Architektur und sogar eine Rückfahrkamera. Der Blower Jnr entsteht als vollständig homologiertes Serienfahrzeug in einer Auflage von nur 349 Exemplaren. Nach Einschätzung seines Herstellers könnte er der erste Nachbau eines Vorkriegsautos sein, der als neu gefertigtes Serienfahrzeug für die Straße homologiert wurde.
Amalgam Collection: der Blower für die Vitrine
Am anderen Ende der Skala steht Amalgam Collection. Der neue Blower im Maßstab 1:18 entstand in Zusammenarbeit mit Bentley und ist nach Angaben des Herstellers das technisch anspruchsvollste Modell in dieser Größe, das Amalgam je gebaut hat. Es ergänzt den Blower in 1:8, den das Unternehmen im Februar 2020 vorgestellt hatte. Gründer Sandy Copeman beschreibt die Herausforderung so: Die gesamte offen liegende Mechanik musste originalgetreu auf ein Achtzehntel der wirklichen Größe schrumpfen.

Besitzer eines Blower aus der Continuation Series können sich ein Modell in 1:8 oder 1:18 fertigen lassen, das die Spezifikation ihres eigenen Autos wiedergibt. Dazu kommt eine gealterte Rennversion im Maßstab 1:8, limitiert auf 30 Exemplare und von Hand bemalt. Sie zeigt Team Car No. 2 so, wie er nach den 24 Stunden von Le Mans 1930 aussah, samt verbogener hinterer Kotflügel nach Reifenschäden.
Was die vier verbindet
Fast ein Jahrhundert liegt zwischen dem Original und seinen kleinen Geschwistern, und doch teilen alle vier dieselbe Herkunft. Für Sammler entsteht damit eine seltene Bandbreite: vom fahrbaren Nachbau für die Landstraße bis zum Modell, das die Spezifikation des eigenen Continuation-Wagens im Kleinen festhält. Wie neu aufgebaute Klassiker rechtlich und wirtschaftlich einzuordnen sind, erklärt unser Beitrag über Restomods, und was den Wert limitierter Autos bestimmt, lesen Sie unter Supercar als Wertanlage.



