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Kauf & Besitz

Der Supercar als Wertanlage: Chancen, Kosten und Risiken

Welche Supercars an Wert gewinnen und welche nicht: Auktionsergebnisse von McLaren F1 bis LaFerrari, Werttreiber, laufende Kosten, Steuerfragen und Risiken.

Exklusiver Supersportwagen in einer edlen Sammlergarage

Ein Supercar ist ein Traum, aber ist er auch eine Geldanlage? Die ehrliche Antwort lautet: selten, und wenn, dann unter Bedingungen, die sich beim Kauf nur teilweise erkennen lassen. Die meisten Supersportwagen verlieren wie andere Neuwagen an Wert. Einige wenige haben sich dagegen über Jahrzehnte vervielfacht und tauchen in jeder Rekordliste auf. Dieser Beitrag zeigt anhand belegter Auktionsergebnisse, was diese Ausnahmen gemeinsam haben, welche Kosten gegenzurechnen sind und wo die Risiken liegen. Er ist keine Anlage- oder Steuerberatung, sondern eine Einordnung, die den Blick für den Einzelfall schärfen soll.

Was Auktionsergebnisse zeigen

Die Spitze des Marktes ist gut dokumentiert, weil die großen Auktionshäuser ihre Ergebnisse veröffentlichen. Den Rekord hält seit Mai 2022 ein Mercedes-Benz 300 SLR Uhlenhaut Coupé, das RM Sotheby's in Stuttgart für 135 Millionen Euro an einen privaten Sammler verkaufte. Für Supersportwagen im engeren Sinn sind andere Beispiele aufschlussreicher, weil sie den Verlauf über mehrere Jahre zeigen. Wichtig beim Lesen: Es handelt sich jeweils um verschiedene Exemplare desselben Modells, nicht um ein Auto, das mehrfach verkauft wurde.

Modell und StückzahlFrüheres ErgebnisSpäteres ErgebnisEinordnung
McLaren F1, 64 Straßenautos der Grundversion, gebaut 1992 bis 19982013: 8,47 Mio. US-Dollar (Gooding)2021: 20,465 Mio. US-Dollar (Gooding), 2025: rund 25,3 Mio. US-DollarIkone mit sehr kleiner Stückzahl
Ferrari F50, 349 Stück, gebaut 1995 bis 19972022: rund 4,6 Mio. US-Dollar (Artcurial und Gooding)2025: rund 9,2 Mio. US-Dollar für ein gelbes Exemplar (RM Sotheby's)Nur 31 Autos in Giallo Modena
Ferrari LaFerrari, 499 Coupés, gebaut 2013 bis 20162016: 5,17 Mio. US-Dollar (Mecum)2025: 4,475 Mio. US-Dollar (Bring a Trailer) und 5,23 Mio. US-Dollar (RM Sotheby's)Nominal seitwärts, real deutlich weniger
Ferrari 250 GTO2018: 48,4 Mio. US-Dollar (RM Sotheby's)2023: 51,7 Mio. US-Dollar (RM Sotheby's, als 330 LM / 250 GTO geführt)Spitze des Marktes mit Renngeschichte

Die Tabelle zeigt zwei Muster. Beim McLaren F1 hat sich das Preisniveau zwischen 2013 und 2021 mehr als verdoppelt. Beim LaFerrari, der neu jeweils mehr als eine Million Euro kostete, haben die Erstkäufer mit Zuteilung zwar gewonnen. Wer aber 2016 auf dem Zweitmarkt gekauft hat, liegt 2025 nominal etwa bei null. Inflationsbereinigt entsprechen die 5,17 Millionen von 2016 rund 6,9 Millionen US-Dollar heutiger Kaufkraft, das Ergebnis von 2025 liegt also real rund ein Viertel darunter. Ein Hypercar mit begrenzter Auflage ist demnach keine Garantie, schon gar nicht nach einem schnellen Anstieg.

Was den Wert treibt

Die Faktoren aus dem Bestandstext lassen sich an den Beispielen genauer fassen:

  • Stückzahl und Bedeutung: Seltenheit allein genügt nicht. Gesucht sind Autos, die eine Epoche markieren: der McLaren F1, der 1998 mit 386,4 km/h den Rekord als schnellstes Serienauto aufstellte, der F50, dessen V12 aus dem Motor des Formel-1-Ferrari 641 von 1990 entwickelt wurde, oder der 250 GTO als Rennwagen mit Straßenzulassung.
  • Farbe und Ausstattung: Vom F50 wurden 302 Exemplare in Rosso Corsa gebaut, aber nur 31 in Giallo Modena. Dass ein gelbes Auto 2025 rund doppelt so viel erzielte wie andere F50 im Jahr 2022, zeigt, wie stark Einzelmerkmale innerhalb desselben Modells wirken können, auch wenn Zustand und Historie mitspielen.
  • Historie und Provenienz: Renneinsätze, prominente Vorbesitzer oder eine besondere Rolle beim Hersteller heben ein Exemplar aus der Serie heraus. Belegt sein muss das durch Dokumente, nicht durch Erzählungen.
  • Laufleistung und Zustand: Niedrige Kilometer sind gefragt, aber ein Auto, das jahrelang stand, braucht vor einem Verkauf oft eine teure Durchsicht. Gutachter bewerten den Zustand meist nach den Classic-Data-Noten von 1 (makellos) bis 5 (restaurierungsbedürftig).
  • Originalität: Umbauten, Tuning oder nicht dokumentierte Reparaturen senken den Wert bei Sammlern in der Regel stärker, als sie ihn erhöhen.

Bei limitierten Neuwagen kommt die Zuteilung hinzu, die der Hersteller steuert. Wie das funktioniert und warum Sondermodelle am Zweitmarkt so reagieren, beschreibt der Beitrag über limitierte Sondermodelle.

Der Markt als Ganzes

Einzelne Rekorde verdecken, dass der Sammlermarkt in Zyklen verläuft. Der Luxury Investment Index des Immobilienberaters Knight Frank, der verschiedene Sammelgüter abbildet, verzeichnete nach zwei Verlustjahren 2023 und 2024 für 2025 ein Minus von 0,4 Prozent, über zehn Jahre steht ein Plus von 38,6 Prozent. Für Autos beschreibt der Bericht 2025 als insgesamt schwaches Jahr mit der Monterey Car Week als Lichtblick und einer Zollunsicherheit, die den internationalen Handel belastet. Zugleich halten die Autoren fest, dass Fahrzeuge der späten 1980er bis frühen 2000er Jahre zunehmend sammelwürdig werden und klassische Oldtimer teils übertreffen.

Für Käufer heißt das: Wer zu einem Höchststand einsteigt, kann Jahre warten, bis der Preis wieder erreicht ist. Indizes und Rekordlisten bilden zudem fast nur die Spitze ab. Ein Supersportwagen aus laufender, unlimitierter Serienproduktion folgt eher der normalen Abschreibungskurve eines teuren Neuwagens, gerade dann, wenn ein Nachfolger erscheint.

Auch beim Lesen von Auktionsergebnissen lohnt Sorgfalt. Wer Preise vergleicht, sollte prüfen, ob sie mit oder ohne Aufgeld angegeben sind. Lose, die ihren Mindestpreis nicht erreichen, tauchen in Ranglisten kaum auf, private Verkäufe zwischen Sammlern bleiben oft ganz unsichtbar. Dazu kommt die Währung: Die wichtigsten Ergebnisse entstehen in US-Dollar, wer in Euro rechnet, trägt also zusätzlich ein Wechselkursrisiko. Rekorde ziehen Aufmerksamkeit auf sich, während die vielen unspektakulär verkauften Exemplare desselben Modells das tatsächliche Preisniveau meist besser beschreiben. Für eine belastbare Einschätzung vergleicht man deshalb mehrere Ergebnisse ähnlicher Exemplare über einige Jahre und lässt sie von einem Gutachter einordnen.

Die Kostenseite

Ein Sammlerfahrzeug wirft keine laufenden Erträge ab, verursacht aber laufende Kosten. Dazu gehören eine trockene, sichere Unterbringung, eine Versicherung auf Basis eines aktuellen Wertgutachtens, Wartung nach Zeit auch ohne Fahrleistung, die Aktualisierung des Gutachtens und am Ende die Kosten des Verkaufs, etwa Aufgeld oder Provision bei einer Auktion, Transport und Aufbereitung. Ein Spezialversicherer empfiehlt beispielsweise, das Wertgutachten alle zwei Jahre zu erneuern, damit keine Unterversicherung entsteht. Bei sehr hohen Werten passen Standardlösungen oft nicht mehr: Die Allianz etwa nimmt Liebhaberfahrzeuge mit einem Wert über 200.000 Euro nicht in ihre Oldtimer-Versicherung auf und verweist für solche Stücke auf die Kunstversicherung.

Ein vereinfachtes Rechenbeispiel mit ausdrücklich angenommenen Werten zeigt die Größenordnung: Ein Auto kostet 400.000 Euro, die laufenden Kosten liegen bei 8.000 Euro im Jahr, beim Verkauf nach zehn Jahren fallen 10 Prozent des Erlöses an Gebühren und Nebenkosten an. Dann muss der Verkaufspreis bei rund 533.000 Euro liegen, nur damit der Besitzer ohne Verlust herauskommt. Das sind nominal rund ein Drittel mehr als der Kaufpreis, ohne Inflation und ohne die Rendite, die das gebundene Kapital anderswo hätte erzielen können. Wie Pflege und Unterbringung den Zustand erhalten, steht im Beitrag über Pflege und Detailing.

Werterhalt in der Praxis

Ob ein Auto später zu den gesuchten Exemplaren gehört, entscheidet sich zum Teil schon im Alltag des Besitzers. Am meisten zählt eine lückenlose Dokumentation: Wartungen beim Markenbetrieb oder einem ausgewiesenen Spezialisten im Herstellerintervall, dazu alle Rechnungen, Gutachten und Fotos. Originalteile, die gegen Zubehör getauscht wurden, gehören aufbewahrt, ebenso Bordmappe, Zweitschlüssel, Werkzeug, Ladegerät und Abdeckung aus dem Lieferumfang. Für viele Sammler wiegt ein vollständiges Auto mit Papieren schwerer als ein makelloses ohne Belege. Hinzu kommt der Zustand von Lack und Innenraum, den fachgerechte Pflege und eine Lackschutzfolie auf den empfindlichen Flächen erhalten können. Schließlich die Fahrleistung: Ein Auto, das regelmäßig, aber maßvoll bewegt und danach gewartet wird, bleibt technisch gesünder als eines, das jahrelang steht und vor dem Verkauf erst wieder in Gang gebracht werden muss.

Die Risiken

  • Liquidität: Ein Sammlerauto lässt sich nicht an einem Tag verkaufen. Gute Auktionstermine liegen oft Monate auseinander, ein Privatverkauf kann noch länger dauern.
  • Marktzyklen und Geschmack: Was eine Käufergeneration begehrt, muss die nächste nicht interessieren. Der Knight-Frank-Befund zu jüngeren Fahrzeugen zeigt, dass sich die Nachfrage verschiebt.
  • Schaden und Wertminderung: Ein Unfall, selbst fachgerecht repariert, mindert den Sammlerwert. Manche Spezialtarife versichern diese Wertminderung ausdrücklich mit, Standard ist das nicht.
  • Echtheit und Dokumente: Bei hohen Werten steigen auch die Anreize für geschönte Historien. Fahrgestellnummer, Werksunterlagen und Gutachten müssen zusammenpassen.
  • Konzentration: Wer einen großen Teil seines Vermögens in ein einziges Fahrzeug steckt, trägt ein Klumpenrisiko, das kein Index glättet.

Steuern in groben Zügen

In Deutschland können Gewinne aus dem Verkauf beweglicher Gegenstände des Privatvermögens als privates Veräußerungsgeschäft steuerpflichtig sein, wenn zwischen Kauf und Verkauf nicht mehr als ein Jahr liegt (§ 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG). Ausgenommen sind Gegenstände des täglichen Gebrauchs, und Gewinne bleiben steuerfrei, wenn alle privaten Veräußerungsgewinne eines Jahres zusammen unter 1.000 Euro liegen. Ob ein Sammlerfahrzeug als Gegenstand des täglichen Gebrauchs gilt, ist nicht pauschal zu beantworten. Wer häufig kauft und verkauft, riskiert außerdem, als gewerblicher Händler eingestuft zu werden, mit Folgen für Einkommen-, Gewerbe- und Umsatzsteuer. Liegt das Fahrzeug im Betriebsvermögen, gelten wieder andere Regeln. All das gehört vor dem Kauf in die Hände einer steuerlichen Beratung.

Leidenschaft vor Rendite

Die Beispiele bestätigen den Rat aus dem Bestandstext, präzisieren ihn aber. Wertsteigerungen gab es vor allem bei Fahrzeugen, die schon früh als Meilensteine galten, in sehr kleiner Zahl gebaut wurden und deren Exemplare gut dokumentiert sind. Wer heute kauft, sollte ein Auto wählen, das er auch dann gern besitzt, wenn der Preis stagniert, die Kosten vorher realistisch ansetzen und den Kauf so gestalten, dass er nicht verkaufen muss. Wie der Kauf selbst abläuft, von der Ankaufsuntersuchung bis zur Finanzierung, beschreibt der Leitfaden Der Weg zum eigenen Supercar.

◦ Häufige Fragen
Welche aktuellen Supercars werden einmal gesuchte Sammlerstücke?
Seriös vorhersagen lässt sich das nicht. Die bisherigen Gewinner verbindet eine sehr kleine Stückzahl, eine klare technische oder sportliche Bedeutung und eine gute Dokumentation. Selbst Hypercars mit Zuteilung wie der LaFerrari haben aber nach einem schnellen Anstieg jahrelang stagniert.
Ist ein Supercar als Geldanlage besser als Aktien oder Immobilien?
Ein direkter Vergleich ist schwierig, weil ein Auto keine laufenden Erträge bringt, aber laufend Kosten verursacht und sich nur langsam verkaufen lässt. Indexdaten zeigen zudem deutliche Schwankungen, etwa Verluste des Knight-Frank-Index 2023 und 2024. Für eine Entscheidung über die eigene Vermögensaufteilung ist eine unabhängige Anlageberatung der richtige Ansprechpartner.
Ruiniert es den Wert, wenn ich mein Sammlerauto regelmäßig fahre?
Eine moderate, gut dokumentierte Laufleistung schadet meist weniger als ein Auto, das jahrelang ohne Bewegung und Wartung steht. Niedrige Kilometer bleiben aber ein Wertfaktor, besonders bei Modellen, von denen viele kaum gefahrene Exemplare existieren. Wichtig sind lückenlose Wartung nach Herstellervorgabe und der Verzicht auf Rennstreckeneinsätze ohne passende Versicherung.
Muss ich einen Gewinn beim Verkauf versteuern?
Das kann sein. Im Privatvermögen ist vor allem ein Verkauf innerhalb eines Jahres nach dem Kauf relevant, und ob die Ausnahme für Gegenstände des täglichen Gebrauchs greift, hängt vom Einzelfall ab. Bei häufigem Handel oder einem Fahrzeug im Betriebsvermögen gelten andere Regeln, deshalb sollte die steuerliche Beratung vor dem Kauf einbezogen werden.