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Kauf & Besitz

Supercar-Versicherung und Unterhalt: Was der Besitz wirklich kostet

Typklassen, Spezialtarife, Wertgutachten, Kfz-Steuer nach Hubraum und CO2, Saisonkennzeichen, Wartung und Reifen: die laufenden Kosten eines Supercars.

Supersportwagen in einer gepflegten Garage mit Werkzeug im Hintergrund

Der Kaufpreis eines Supercars ist eine einmalige Zahl, der Unterhalt eine wiederkehrende. Wer ihn ehrlich kalkulieren will, braucht mehr als Schätzwerte aus Foren. Wie Versicherer ein Modell einstufen, wann sich ein Spezialtarif lohnt, wie die Kfz-Steuer berechnet wird und welche Posten bei Wartung und Verschleiß auflaufen, lässt sich für deutsche Verhältnisse recht genau beschreiben. Konkrete Beiträge und Preise hängen allerdings immer vom Einzelfall ab: von Fahrzeug, Fahrer, Wohnort und Vertrag.

Typklassen: wie Versicherer ein Modell einstufen

Grundlage fast jeder Kfz-Versicherung in Deutschland ist die Typklassenstatistik des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV). Sie stuft rund 33.000 Modelle danach ein, wie häufig und wie teuer sie in den vergangenen drei Jahren Schäden verursacht haben. Die am 30. September 2026 veröffentlichten Klassen für 2027 beruhen auf den Jahren 2023 bis 2025. Die Skalen reichen in der Haftpflicht von 10 bis 25, in der Teilkasko von 10 bis 33 und in der Vollkasko von 10 bis 34. Für die Versicherer ist die Einstufung unverbindlich, die meisten orientieren sich aber daran.

Wie das bei einem Supersportwagen aussieht, zeigt der Lamborghini Gallardo LP 560-4 mit 412 kW: Er steht laut GDV in der Haftpflicht bei 13, in der Teilkasko bei 30 und in der Vollkasko bei 33. Die Haftpflicht liegt damit im unteren Drittel, denn sie bildet nur Schäden ab, die das Auto anderen zufügt. In der Kasko landet das Modell nahe der Obergrenze, weil Diebstahl, Glasbruch und vor allem Reparaturen am eigenen Fahrzeug teuer sind. Zur Typklasse kommen Regionalklasse, Schadenfreiheitsklasse, Alter und Zahl der Fahrer, jährliche Fahrleistung, Abstellort und Selbstbeteiligung. Gerade die letzten drei Punkte sind Stellschrauben, die der Halter selbst beeinflusst.

Spezialtarife für Liebhaberfahrzeuge

Neben der normalen Kfz-Versicherung gibt es Tarife für Oldtimer, Youngtimer und Liebhaberfahrzeuge. Sie versichern häufig auf Basis eines Wertgutachtens und bieten eine Allgefahrendeckung, die über die Vollkasko hinausgeht und etwa Brems-, Betriebs- und Bruchschäden einschließt. Für moderne Supersportwagen passen sie allerdings nur eingeschränkt, wie zwei deutsche Beispiele zeigen. Die Allianz versichert Youngtimer ab 20 und Oldtimer ab 30 Jahren, begrenzt die Fahrleistung auf 9.000 km im Jahr, verlangt ein Alltagsfahrzeug sowie ein Mindestalter der Fahrer von 25 Jahren und nimmt Fahrzeuge mit mehr als 200.000 Euro Wert nicht auf, solche Stücke verweist sie an die Kunstversicherung. Die Mannheimer nennt in ihrem Liebhaberfahrzeug-Tarif ausdrücklich Exoten ab Baujahr 2000, allerdings im Rahmen einer Sammlung, und setzt unter anderem eine geringe Jahresfahrleistung, ein Alltagsauto, zwei unabhängige Diebstahlsicherungen und den Verzicht auf Umbauten voraus.

Entscheidend ist das Kleingedruckte. In der Zielmarktbeschreibung desselben Tarifs sind Schäden an elektronischen, elektrischen, hydraulischen und pneumatischen Bauteilen ausgeschlossen, bei einem modernen Supercar mit Doppelkupplungsgetriebe, adaptivem Fahrwerk und aktiver Aerodynamik ein erheblicher Teil des Risikos. Wer einen jungen Supersportwagen versichert, vergleicht deshalb eine Vollkasko mit Neupreis- oder Kaufpreisentschädigung mit einem Spezialtarif und lässt sich die Unterschiede von einem Makler, der sich mit Sammlerfahrzeugen auskennt, schriftlich erläutern.

Ein unterschätzter Baustein ist der Schutzbrief. Ein tiefes Auto mit Frontsplitter lässt sich nach einer Panne nicht einfach an den Haken nehmen, es muss auf einen Plateauwagen und in eine Werkstatt, die sich mit der Marke auskennt und nicht immer in der Nähe liegt. Der Schutzbrief des genannten Liebhabertarifs übernimmt etwa den Transport in eine geeignete oder vom Kunden gewünschte Werkstatt bis 1.500 Euro. Bei Standardschutzbriefen lohnt die Prüfung, ob und bis zu welcher Entfernung solche Transporte gedeckt sind. Auch Fahrten im Transporter zu Veranstaltungen oder ins Winterlager bergen Risiken, die manche Spezialtarife ausdrücklich in die Allgefahrendeckung einschließen.

Wertgutachten und vereinbarter Wert

Im Schadenfall zahlt eine normale Kasko den Wiederbeschaffungswert, also den Betrag, den ein vergleichbares Fahrzeug am Markt kostet. Bei seltenen Autos ist dieser Wert schwer zu belegen, und genau hier hilft ein Wertgutachten. Es dokumentiert Zustand, Originalität und Ausstattung und nennt Markt-, Wiederbeschaffungs- und gegebenenfalls Wiederherstellungswert. Der Zustand wird meist nach den Classic-Data-Noten von 1 (makellos) bis 5 (restaurierungsbedürftig) bewertet. Der TÜV Rheinland nennt als Richtwert, dass bis 50.000 Euro Fahrzeugwert meist eine Kurzbewertung genügt, darüber in der Regel ein Vollgutachten verlangt wird.

Gutachten altern. Steigt der Marktwert, droht Unterversicherung. Spezialversicherer empfehlen deshalb, das Gutachten alle zwei Jahre zu erneuern, und koppeln manche Leistungen daran, dass es im Schadenfall nicht älter als zwei Jahre ist, etwa eine höhere Vorsorge für Wertsteigerungen. Ein Sammlerfahrzeugtarif in der Schweiz erkennt den vereinbarten Wert nur an, wenn die Bewertung nicht älter als vier Jahre ist. Die Kosten des Gutachtens hängen von Umfang und Prüforganisation ab und sollten vorab erfragt werden.

Kfz-Steuer: Hubraum plus CO2

Für Pkw mit Erstzulassung ab 2021 setzt sich die Kfz-Steuer aus zwei Teilen zusammen (§ 9 KraftStG). Der Sockel beträgt bei Benzinern 2 Euro je angefangene 100 cm³ Hubraum. Dazu kommt für jedes Gramm CO2 über 95 g/km ein Zuschlag, der in Stufen steigt: 2,00 Euro bis 115 g/km, 2,20 Euro bis 135 g/km, 2,50 Euro bis 155 g/km, 2,90 Euro bis 175 g/km, 3,40 Euro bis 195 g/km und 4,00 Euro für jedes Gramm darüber. Bis 195 g/km summiert sich der Zuschlag auf 260 Euro, danach kostet jedes weitere Gramm 4 Euro. Für Erstzulassungen von 2014 bis 2020 gilt dagegen ein linearer Zuschlag von 2 Euro je Gramm über 95 g/km.

FahrzeugHubraumCO2 kombiniert (WLTP)Kfz-Steuer pro Jahr
Porsche 911 GT3 (992.2)3.996 cm³310 bis 312 g/km (Herstellerangabe)800 bis 808 Euro
Ferrari 12Cilindri6.496 cm³353 g/km1.022 Euro
Elektro-Hypercar, Erstzulassung bis Ende 2030kein Hubraum0 g/kmsteuerfrei für zehn Jahre, längstens bis 31.12.2035
Pkw mit H-Kennzeichenbeliebigbeliebig191,73 Euro pauschal

Bei Plug-in-Hybriden ist der gewichtete CO2-Wert aus der Zulassungsbescheinigung maßgeblich, der weit unter dem eines reinen Verbrenners liegen kann. Das H-Kennzeichen gibt es frühestens 30 Jahre nach der Erstzulassung und nur mit einem Gutachten nach § 23 StVZO, das weitgehenden Originalzustand und guten Erhaltungszustand bestätigt. Ein Ferrari F355, gebaut von 1994 bis 1999, mit Erstzulassung 1996 kann es also im Lauf des Jahres 2026 bekommen.

Saisonkennzeichen

Für ein Auto, das im Winter stillsteht, ist das Saisonkennzeichen die übliche Lösung. Der Betriebszeitraum umfasst volle Monate, mindestens zwei und höchstens elf (§ 10 Abs. 3 FZV), und steht am rechten Rand des Schilds, etwa 04/10 für April bis Oktober. Kfz-Steuer und Versicherungsbeitrag werden nur anteilig fällig. Außerhalb der Saison darf das Fahrzeug weder gefahren noch im öffentlichen Straßenraum abgestellt werden, es braucht also eine Garage oder einen privaten Stellplatz. Versicherer gewähren für diese Zeit meist eine beitragsfreie Ruheversicherung mit Haftpflicht- und Teilkaskoschutz, die an Bedingungen geknüpft ist. Ein Nachteil betrifft den Schadenfreiheitsrabatt: Nach Angaben von Versicherern steigt die SF-Klasse nach einem schadenfreien Jahr nur, wenn das Fahrzeug mindestens sechs Monate zugelassen war. Ein Wechselkennzeichen lässt sich übrigens nicht zugleich als Saisonkennzeichen ausführen (§ 9 Abs. 2 FZV). Wie das Auto die Standzeit unbeschadet übersteht, beschreibt der Beitrag über Pflege und Winterlager.

Wartung, Garantie und Verschleiß

Bei der Wartung unterscheiden sich die Marken stark. Ferrari bietet seit 2011 ein Wartungsprogramm, das die planmäßigen Inspektionen der ersten sieben Jahre mit Arbeitszeit, Originalteilen, Motoröl und Bremsflüssigkeit abdeckt, mit Terminen einmal im Jahr oder spätestens alle 20.000 km. Nach der dreijährigen Werksgarantie lassen sich Garantieverlängerungen bis ins 16. Jahr abschließen, für die Plug-in-Hybride SF90 und 296 gibt es eine Variante, die im 16. Jahr den Tausch der Hochvoltbatterie einschließt. Solche Programme setzen eine Prüfung beim Vertragsbetrieb voraus und sind beim Wiederverkauf ein Argument. Bei Marken ohne vergleichbares Paket fallen die Inspektionskosten direkt an, und auch ein wenig gefahrenes Auto braucht Ölwechsel und frische Bremsflüssigkeit nach Zeit.

Teuer wird der Verschleiß. Hochleistungsreifen mit Herstellerkennung werden für einzelne Modelle entwickelt und freigegeben, entsprechend teuer sind sie: Ein Michelin Pilot Sport Cup 2 in der Hinterachsgröße 315/30 R21 kostete 2026 bei Onlinehändlern rund 410 bis 475 Euro je Reifen, ohne Montage. Auf der Rennstrecke halten solche Reifen nur einen Bruchteil ihrer Straßenlaufleistung, und auch ungenutzt altern sie, mehr dazu im Beitrag über Reifen für Supercars. Carbon-Keramik-Bremsen halten im Straßenbetrieb lange, ein Satz Scheiben gehört aber zu den teuersten Ersatzteilen am Auto, wie der Beitrag über Keramikbremsen erklärt.

Unterbringung, Rennstrecke und Wertverlust

Ein Supercar braucht einen trockenen, sicheren Stellplatz. Viele Versicherer berücksichtigen eine abschließbare Garage im Beitrag, bei Spezialtarifen ist ein geeigneter Abstellort Voraussetzung. Wer keine eigene Garage hat, mietet einen Platz in einer Halle oder einem Fahrzeugdepot, die Preise schwanken je nach Region und Leistung stark. Ein eigenes Thema ist die Rennstrecke. Viele Verträge schließen Veranstaltungen mit Renncharakter aus, bei denen es auf eine möglichst hohe Geschwindigkeit ankommt, oft einschließlich der Übungsfahrten, während Fahrsicherheitstrainings und Gleichmäßigkeitsfahrten teils versichert bleiben. Wer einen Trackday plant, klärt den Schutz deshalb vorher schriftlich und schließt bei Bedarf eine eigene Rennstreckenversicherung ab.

Der größte Kostenblock taucht auf keiner Rechnung auf: der Wertverlust. Die meisten Supersportwagen verlieren wie andere Neuwagen gerade in den ersten Jahren deutlich an Wert, nur seltene, limitierte oder ikonische Modelle bilden eine Ausnahme. Wer ihn in die Jahreskosten einrechnet, sieht schnell, dass Steuer und selbst Versicherung im Vergleich kleine Posten sind. Eine ehrliche Kalkulation beginnt deshalb mit der Frage, wie lange das Auto gehalten werden soll und was es nach dieser Zeit realistisch noch wert ist.

◦ Häufige Fragen
Warum ist die Kasko für ein Supercar so teuer, obwohl ich kaum fahre?
Die Typklasse spiegelt die Schadenbilanz des Modells über alle Halter wider, und bei Supersportwagen sind vor allem die Reparaturkosten hoch. Die eigene Fahrleistung ist nur einer von mehreren Faktoren. Tarife mit begrenzter Jahresfahrleistung, eine Garage und eine höhere Selbstbeteiligung können den Beitrag senken.
Brauche ich für einen neuen Supercar ein Wertgutachten?
Für eine normale Vollkasko meist nicht, weil Kaufpreis und Marktangebote den Wert belegen. Sinnvoll wird ein Gutachten, wenn das Fahrzeug selten ist, im Wert steigt oder über einen Spezialtarif mit vereinbartem Wert versichert werden soll. Dann sollte es regelmäßig aktualisiert werden, damit keine Unterversicherung entsteht.
Bin ich bei Touristenfahrten auf der Nordschleife versichert?
Das hängt vom einzelnen Vertrag ab und sollte vor der Fahrt schriftlich geklärt werden. Viele Kaskobedingungen schließen Fahrten mit Renncharakter aus, manche Versicherer auch Rennstrecken allgemein. Für Trackdays und Touristenfahrten gibt es eigene Versicherungsangebote.
Lohnt sich ein Saisonkennzeichen für ein Supercar?
Wer das Auto ohnehin über den Winter einlagert, zahlt Steuer und Versicherung nur für die Saison. Der Zeitraum muss mindestens zwei und darf höchstens elf volle Monate umfassen, außerhalb darf das Auto weder fahren noch auf öffentlichen Straßen stehen. Bei weniger als sechs Monaten Zulassung steigt die Schadenfreiheitsklasse nach Angaben von Versicherern nicht.