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Rolls-Royce Project Nightingale geht in die weltweite Erprobung

Rolls-Royce testet Project Nightingale 350 Wochen lang zwischen Polarkreis und Wüste: die Coachbuild-Serie aus nur 100 Elektroautos im Härtetest.

Dunkler Prototyp des Rolls-Royce Project Nightingale mit beschrifteter Testfolie auf einer Teststrecke
Foto: Rolls-Royce
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Rolls-Royce Motor Cars nimmt mit Project Nightingale die nächste Etappe. Die Prototypen der Coachbuild Collection, von der nur 100 Exemplare für Kunden entstehen, haben ihr weltweites Testprogramm begonnen. Angekündigt hatte die Marke aus Goodwood das Projekt im April 2026. Es verbindet die gestalterische Freiheit des Karosseriebaus nach Kundenwunsch mit dem vollelektrischen Antrieb der Marke und gilt bei Rolls-Royce als Ausblick auf das, was künftig möglich ist. Schon bei der Vorstellung machten die Auftraggeber klar, dass sie ihre Autos in aller Welt fahren und genießen wollen. Genau darauf ist die Erprobung zugeschnitten.

350 Wochen zwischen Polarkreis und Wüste

Die Ingenieure veranschlagen für das Programm zusammengerechnet 350 Wochen. Die Prototypen fahren auf den Küstenstraßen des Mittelmeers, am Polarkreis und in den Wüsten der Arabischen Halbinsel. Sie müssen Temperaturextreme aushalten und Höhen von bis zu 2.750 Metern bewältigen. Geprüft wird also dort, wo die künftigen Besitzer ihre Autos tatsächlich bewegen wollen, und nicht nur im Labor.

Den Auftakt bildet Südeuropa, und das hat einen historischen Grund. In Südfrankreich ließ Henry Royce nahe seinem Winterdomizil an der Riviera ein Haus für seine Konstrukteure und Ingenieure bauen. Es hieß Le Rossignol, französisch für die Nachtigall, und gab dem Projekt seinen Namen. Von dort aus, von der Versuchsanlage in Châteauroux und auf den Straßen zwischen Monte Carlo und London schickten die Techniker der Marke Anfang des 20. Jahrhunderts ihre Autos durch harte Geschwindigkeits- und Dauertests. Project Nightingale beginnt seine eigene Erprobung nun auf genau diesen Straßen.

Rolls-Royce Project Nightingale Prototyp in schneller Kurvenfahrt mit offenem Verdeck
Foto: Rolls-Royce

Fast drei Jahre Entwicklung vor dem ersten Kilometer

Die Testfahrten sind nicht der Anfang, sondern die jüngste Phase einer Entwicklung, die vor fast drei Jahren begann. Statische Prototypen haben bereits mehr als 1.430 Stunden Aerodynamik hinter sich, in digitalen Simulationen ebenso wie im Windkanal. Was dort ermittelt wurde, wird jetzt auf einer privaten Hochgeschwindigkeitsstrecke überprüft. Project Nightingale fährt dort bis zu 155 Meilen pro Stunde, umgerechnet knapp 250 km/h. Im Mittelpunkt steht dabei weniger die Spitze als die Stille: Windgeräusche sollen so weit unterdrückt werden, dass sie kaum noch wahrnehmbar sind.

Windschott, Verdeck und 80 Grad

Weil Project Nightingale offen gefahren werden soll, rückt die Luftführung im Innenraum in den Fokus. Rolls-Royce hat dafür eigens ein vollelektrisches Windschott entwickelt. Es soll verhindern, dass Luft mit hohem Druck von hinten nach vorn in den Innenraum zurückströmt. Im Test wird es bei verschiedenen Geschwindigkeiten abgestimmt, um die ohnehin geringen Verwirbelungen weiter zu senken. Bei geöffnetem Dach soll es in kühleren Regionen außerdem die Wärme im Auto halten.

Auch das Verdeck muss sich beweisen. Es ist mit einem eigens entwickelten Dämmmaterial aus Kaschmir, Stoff und Hochleistungs-Verbundwerkstoffen ausgekleidet. Zehn separate Prüfungen gelten dem Gewebe, dem Schließmechanismus und dem Verhalten bei Temperaturen bis 80 °C. Diese Extremwerte spiegeln nach Angaben von Rolls-Royce den Lebensstil der Auftraggeber, die ihre Autos das ganze Jahr über und in allen Teilen der Welt fahren wollen.

Weißer Prototyp des Rolls-Royce Project Nightingale auf einer kurvigen Teststrecke
Foto: Rolls-Royce

Der Piano Boot und 15.000 Zyklen

Zu den auffälligsten Details gehört der Piano Boot, ein Kofferraumdeckel, wie es ihn an einem Rolls-Royce noch nie gab. Er öffnet seitlich an einem Ausleger. Im Programm wird er bis zu 15.000 Mal geöffnet und geschlossen, damit die Bewegung auch nach Generationen mühelos bleibt. Rolls-Royce-Chef Chris Brownridge nennt sogar den Klang des schließenden Deckels nach diesen Zyklen als Detail, das verfeinert wird.

„Nichts Geringeres wäre der Marke oder diesem wahrhaft außergewöhnlichen Automobil würdig.“ Chris Brownridge, Chief Executive von Rolls-Royce Motor Cars

Am Ende entscheiden nicht allein Messwerte. Instrumente zeichnen Daten auf, doch ob ein Auto die Ruhe und Souveränität erreicht hat, für die Rolls-Royce steht, beurteilen die erfahrensten Ingenieure der Marke mit ihrem Urteil und ihrem Gespür.

Einordnung

Mit Project Nightingale knüpft Rolls-Royce an die experimentellen EX-Wagen an, mit denen Sir Henry Royce in den 1920er Jahren ausloten ließ, wozu die Marke ohne Konventionen fähig ist. Für Sammler interessant ist die Verbindung aus kleiner Stückzahl, freier Gestaltung und Elektroantrieb. Wie limitierte Sondermodelle zugeteilt werden und warum sie am Markt so gefragt sind, lesen Sie in unserem Beitrag über limitierte Editionen. Wo Elektroantrieb und Verbrenner sich im Spitzensegment unterscheiden, zeigt unser Vergleich Verbrenner gegen Elektro.