Performance · Design · Obsession● 34 Beiträge in 5 Ressorts
Modelle

Hybrid-Hypercars: Die neue Königsklasse der Leistung

Porsche 918, LaFerrari und McLaren P1 bis F80, W1 und AMG One: wie Hybrid-Hypercars seit 2013 die Spitze prägen, mit Daten, Stückzahlen und Preisen.

Aggressiver Hybrid-Hypercar mit sichtbaren Technik-Details

Im Jahr 2013 standen auf den Automessen in Genf und Frankfurt drei Autos, die das obere Ende des Marktes neu ordneten: Porsche 918 Spyder, LaFerrari und McLaren P1. Alle drei kombinierten einen hochdrehenden Verbrenner mit Elektromotoren und Batterie, alle drei kamen auf Systemleistungen zwischen 887 und 963 PS. Was damals als teures Experiment galt, ist heute Standard. Ferrari, Lamborghini, McLaren, Mercedes-AMG, Aston Martin und Bugatti haben ihre Spitzenmodelle elektrifiziert. Dieser Beitrag zeichnet die Modellgeschichte nach, die Technik wird nur so weit erklärt, wie sie für das Verständnis der Autos nötig ist.

Das Prinzip in Kürze

Ein Hybrid-Hypercar nutzt Elektromotoren nicht in erster Linie zum Sparen, sondern zum Füllen von Lücken. Der Elektromotor liefert sein Drehmoment ab der ersten Umdrehung und überbrückt so die Phase, in der ein Turbomotor auf Ladedruck wartet oder ein Saugmotor noch nicht im oberen Drehzahlbereich ist. Beim Bremsen gewinnt er Energie zurück. Sitzt ein Motor an der Vorderachse, entsteht Allradantrieb, sitzen dort zwei, lässt sich das Moment zwischen linkem und rechtem Rad verteilen. Die Batterien sind auf hohe Leistungsabgabe ausgelegt, nicht auf Reichweite, und bei den rennstreckenorientierten Modellen werden sie kleiner: Der 918 Spyder hatte 6,8 kWh, der McLaren W1 kommt mit rund 1,4 kWh aus. Wie sich Hybride von reinen Elektro-Hypercars unterscheiden, vertieft der Beitrag Verbrenner gegen Elektro-Hypercar.

2013: drei Wege zum ersten Hybrid-Hypercar

Porsche 918 Spyder. Als Studie 2010 in Genf gezeigt, als Serienauto 2013 auf der IAA in Frankfurt. Ein 4,6-Liter-V8-Saugmotor mit 608 PS arbeitet mit zwei Elektromotoren zusammen, vorn 129 PS, hinten 156 PS. Das ergibt 887 PS und 1.280 Nm. Der 918 ist ein Plug-in-Hybrid mit 6,8 kWh Batterie und fährt rund 20 Kilometer elektrisch. Von 0 auf 100 km/h vergehen laut Porsche 2,6 s, die Spitze liegt bei 345 km/h. Porsche baute 918 Exemplare zum Grundpreis von 768.026 Euro (Deutschland, 2013). Am 4. September 2013 umrundete Marc Lieb die Nordschleife in der damaligen 20,6-Kilometer-Variante in 6:57 Minuten, als erstes straßenzugelassenes Serienauto unter sieben Minuten.

LaFerrari. Ferrari setzte auf maximale Leistung ohne Ladekabel. Der 6,3-Liter-V12 leistet 800 PS bei 9.000 Umdrehungen, das aus der Formel 1 abgeleitete HY-KERS-System steuert 163 PS bei, zusammen 963 PS und 900 Nm. Ferrari nannte für den Sprint auf 100 km/h weniger als drei Sekunden und eine Spitze von mehr als 350 km/h. Gebaut wurden 499 Coupés, später rund 210 offene LaFerrari Aperta, der Preis lag bei mehr als einer Million Euro.

McLaren P1. McLaren kombinierte einen 3,8-Liter-V8 mit zwei Turboladern und 737 PS mit einem Elektromotor mit 179 PS, zusammen 916 PS und 900 Nm. Die 4,7-kWh-Batterie lässt sich an der Steckdose laden und erlaubt rund elf Kilometer elektrisches Fahren nach NEFZ. McLaren nannte 2,8 s auf 100 km/h und 16,5 s auf 300 km/h, abgeregelt ist der P1 bei 350 km/h. Von Oktober 2013 bis Dezember 2015 entstanden 375 Straßenautos zu je rund 1,1 Millionen Euro.

Die drei Autos stehen für drei Philosophien. Porsche baute den technisch aufwendigsten Wagen mit Allrad, Plug-in und dem höchsten Drehmoment. Ferrari nutzte den Strom ausschließlich als Leistungsreserve für den Saugmotor. McLaren füllte mit dem Elektromotor vor allem das Turboloch. In der Szene hat sich für das Trio der Begriff „Heilige Dreifaltigkeit“ eingebürgert.

Vom Sondermodell zur Serie: SF90 Stradale und Revuelto

Der nächste Schritt war, Hybrid-Hypercar-Technik ohne Stückzahlbegrenzung anzubieten. Ferrari zeigte am 29. Mai 2019 den SF90 Stradale: ein 4,0-Liter-V8 mit zwei Turboladern und 780 PS, drei Elektromotoren mit zusammen 220 PS, insgesamt 1.000 PS und 800 Nm. Die 7,9-kWh-Batterie ermöglicht 26 Kilometer elektrisches Fahren, der Allradantrieb kommt über die beiden Elektromotoren an der Vorderachse. Ferrari nennt 2,5 s auf 100 km/h, 6,7 s auf 200 km/h und 340 km/h Spitze. Die Ausbaustufe SF90 XX mit 1.030 PS war dagegen wieder limitiert, auf 799 Coupés und 599 Spider. Im September 2025 folgte als Nachfolger der 849 Testarossa mit 1.050 PS, ebenfalls ein Plug-in-Hybrid mit 26 Kilometern elektrischer Reichweite. Wie Ferrari Modelle und Zuteilungen steuert, beschreibt das Porträt Ferrari, Mythos und Faszination.

Lamborghini ging im März 2023 mit dem Revuelto einen eigenen Weg und rettete damit den Zwölfzylinder. Der 6,5-Liter-V12-Saugmotor mit 825 PS arbeitet mit drei Elektromotoren zusammen, die gemeinsam 190 PS liefern. Die Systemleistung liegt bei 1.015 PS, die Batterie fasst 3,8 kWh und reicht nach WLTP für zehn Kilometer. Geschaltet wird über ein Achtgang-Doppelkupplungsgetriebe, Lamborghini nennt 2,5 s auf 100 km/h und mehr als 350 km/h Spitze. Der Revuelto zeigt, warum Hersteller die Hybridtechnik schätzen: Sie hält großvolumige Saugmotoren unter strengeren Abgasregeln am Leben.

Rennsport auf der Straße: Mercedes-AMG One und Aston Martin Valkyrie

Kein Serienauto ist näher an der Formel 1 als der Mercedes-AMG One. Vorgestellt 2017 als Project One auf der IAA, ging er erst im August 2022 in Produktion, die erste Auslieferung folgte im Januar 2023. Der 1,6-Liter-V6 mit Turbolader stammt aus dem Formel-1-Programm von Mercedes, leistet 574 PS und dreht bis 11.000 Umdrehungen. Dazu kommen ein Elektromotor an der Kurbelwelle mit 120 kW, ein weiterer an der Turboladerwelle mit 90 kW und zwei Motoren an der Vorderachse. Die Systemleistung beträgt 1.063 PS, rein elektrisch fährt der One nach WLTP 18,1 Kilometer. Mercedes nennt 7,0 s auf 200 km/h und 352 km/h Spitze. Geplant waren 275 Exemplare zu je 2,75 Millionen Euro netto. Der Rennsport-Ursprung hat Folgen für Besitzer: Nach 50.000 Kilometern muss der Motor zur Überholung. Auf der Nordschleife fuhr Maro Engel 2022 6:35,183 Minuten und im September 2024 6:29,090 Minuten, die bisher schnellste Runde eines straßenzugelassenen Serienautos.

Aston Martin entwickelte den Valkyrie gemeinsam mit Red Bull Advanced Technologies und dem Formel-1-Konstrukteur Adrian Newey. Der von Cosworth gebaute 6,5-Liter-V12-Saugmotor leistet 1.014 PS bei 10.500 Umdrehungen und dreht bis 11.100, ein Elektromotor ergänzt 162 PS. Das Batteriesystem lieferte Rimac Technology. Von November 2021 bis Dezember 2024 entstanden 150 Coupés, 85 Spider und 40 Exemplare des nicht straßenzugelassenen AMR Pro. Seit 2025 tritt eine Rennversion des Valkyrie in der Hypercar-Klasse der Langstrecken-Weltmeisterschaft an, damit schließt sich der Kreis zwischen Straße und Rennstrecke.

Die zweite Welle: Ferrari F80, McLaren W1, Bugatti Tourbillon

Ferrari präsentierte am 17. Oktober 2024 den F80 als Nachfolger des LaFerrari. Statt eines V12 arbeitet ein 3,0-Liter-V6 mit zwei Turboladern und 120 Grad Zylinderwinkel, unterstützt von drei Elektromotoren, zwei davon an der Vorderachse. Die Systemleistung beträgt 1.200 PS, die 800-Volt-Batterie fasst nur 2,28 kWh. Ferrari nennt 2,15 s auf 100 km/h, 5,75 s auf 200 km/h, 350 km/h Spitze und ein Trockengewicht von 1.525 kg. Geplant sind 799 Exemplare. Dass Ferrari in seinem limitierten Spitzenmodell auf den Zwölfzylinder verzichtet, ist der deutlichste Beleg dafür, wie sehr der Elektroanteil die Rolle des Verbrenners verändert hat.

McLaren folgte am 6. Oktober 2024 mit dem W1 als Nachfolger des P1. Ein 4,0-Liter-V8 mit zwei Turboladern und ein Elektromotor mit 347 PS liefern zusammen 1.275 PS und 1.340 Nm. Die Batterie speichert rund 1,4 kWh, das Trockengewicht liegt bei 1.399 kg, der Abtrieb bei bis zu 1.000 kg. Bis 200 km/h vergehen rund 5,8 s, gebaut werden 399 Exemplare. Bugatti schließlich stellte im Juni 2024 den Tourbillon vor: ein V16-Saugmotor von Cosworth mit 8.355 cm³ Hubraum und 1.000 PS, drei Elektromotoren mit zusammen 800 PS, insgesamt 1.800 PS. Anders als F80 und W1 setzt Bugatti auf eine große Batterie mit 24,8 kWh und 60 Kilometer elektrische Reichweite nach WLTP. Der Tourbillon ist auf 250 Exemplare zu je 3,8 Millionen Euro begrenzt, mehr dazu im Porträt Bugatti und die 1.500-PS-Marke.

Die Modelle im Vergleich

ModellVorstellungVerbrennerSystemleistungBatterieStückzahl
Porsche 918 Spyder20134,6-l-V8, Sauger887 PS6,8 kWh918
McLaren P120133,8-l-V8, Biturbo916 PS4,7 kWh375
LaFerrari20136,3-l-V12, Sauger963 PSkeine Angabe499 Coupés, rund 210 Aperta
Ferrari SF90 Stradale20194,0-l-V8, Biturbo1.000 PS7,9 kWhnicht limitiert
Aston Martin ValkyrieAuslieferung ab 20216,5-l-V12, Sauger1.176 PSkeine Angabe150 Coupés, 85 Spider
Mercedes-AMG OneAuslieferung ab 20231,6-l-V6, Turbo1.063 PSkeine Angabe275
Lamborghini Revuelto20236,5-l-V12, Sauger1.015 PS3,8 kWhnicht limitiert
Bugatti Tourbillon20248,4-l-V16, Sauger1.800 PS24,8 kWh250
Ferrari F8020243,0-l-V6, Biturbo1.200 PS2,28 kWh799
McLaren W120244,0-l-V8, Biturbo1.275 PSrund 1,4 kWh399

Die Tabelle zeigt zwei Entwicklungen. Die Systemleistung hat sich binnen gut zehn Jahren von knapp 900 auf bis zu 1.800 PS verdoppelt, und die Fahrleistungen sind näher an den Rennsport gerückt: Der F80 braucht laut Ferrari 2,15 s auf 100 km/h, der 918 Spyder brauchte 2,6 s. Zugleich gehen die Konzepte auseinander. Ferrari und McLaren minimieren Batterie und Gewicht für die Rennstrecke, Bugatti nutzt die größere Batterie für elektrisches Fahren und einen Elektroanteil von 800 PS.

Was die Hybridtechnik für Besitzer bedeutet

Für Käufer bringt die Elektrifizierung neue Fragen mit sich. Hochvoltsysteme dürfen nur geschulte Werkstätten öffnen, Batterien altern auch bei geringer Laufleistung, und lange Standzeiten im Winterlager verlangen eine Erhaltungsladung nach Herstellervorgabe. Beim AMG One kommt die vorgeschriebene Motorüberholung nach 50.000 Kilometern hinzu. Wie sich solche Faktoren auf Unterhalt und Wiederverkaufswert auswirken, lässt sich nur im Einzelfall beurteilen, weil Erfahrungswerte über Jahrzehnte fehlen.

Gleichzeitig ist die Technik längst in tiefere Klassen gewandert. Der aktuelle Porsche 911 Turbo S nutzt eine 1,9-kWh-Batterie und elektrische Turbolader, um 711 PS zu erreichen. Die Hybrid-Hypercars haben damit eine Aufgabe erfüllt, die früher Rennwagen zukam: Sie erproben unter extremen Bedingungen, was wenige Jahre später in Serienautos ankommt. Als Königsklasse gelten sie, weil sie die Stärken beider Welten verbinden, Klang und Drehzahl des Verbrenners mit der sofortigen Kraft des Elektromotors. Wie lange diese Verbindung trägt, entscheiden weniger die Ingenieure als die Abgasregeln der kommenden Jahre.

◦ Häufige Fragen
Welches Hybrid-Hypercar ist auf der Nordschleife am schnellsten?
Der Mercedes-AMG One. Maro Engel fuhr im September 2024 6:29,090 Minuten auf der 20,832 Kilometer langen Nordschleife, die bisher schnellste Runde eines straßenzugelassenen Serienautos. Der Porsche 918 Spyder war 2013 mit 6:57 Minuten das erste Serienauto unter sieben Minuten, allerdings auf der kürzeren 20,6-Kilometer-Variante.
Kann man Hybrid-Hypercars elektrisch fahren und an der Steckdose laden?
Das hängt vom Modell ab. Porsche 918 Spyder, McLaren P1, Ferrari SF90, Mercedes-AMG One und Lamborghini Revuelto sind Plug-in-Hybride mit elektrischen Reichweiten zwischen etwa 10 und 26 Kilometern, der Bugatti Tourbillon schafft nach WLTP 60 Kilometer. Der LaFerrari nutzt seinen Elektromotor dagegen nur als Leistungsreserve und hat keinen Ladeanschluss.
Was ist mit der „Heiligen Dreifaltigkeit“ gemeint?
Gemeint sind Porsche 918 Spyder, LaFerrari und McLaren P1, die 2013 fast gleichzeitig vorgestellt wurden. Sie waren die ersten Hypercars, die Verbrenner und Elektromotor konsequent auf Leistung auslegten. Alle drei waren limitiert, die Stückzahlen der Grundversionen lagen zwischen 375 und 918 Exemplaren.
Ist ein Hybrid-Hypercar im Unterhalt teurer als ein reiner Verbrenner?
In der Regel ja, weil zusätzlich Hochvoltbatterie, Elektromotoren und Leistungselektronik gewartet werden müssen und dafür geschulte Werkstätten nötig sind. Hinzu kommen modellspezifische Pflichten wie die Motorüberholung des Mercedes-AMG One nach 50.000 Kilometern. Wie hoch die Kosten konkret ausfallen, hängt vom Modell, vom Alter der Batterie und vom Einzelfall ab.