Supersportwagen Technologie Guide – Die Zukunft der Performance
Supersportwagen-Technologie erklärt: Carbon-Leichtbau, aktive Aerodynamik, Hybridantriebe, Torque Vectoring, DKG und 3D-Druck von Ferrari, Lamborghini und McLaren.…

Moderne Supersportwagen vereinen Carbon-Leichtbau, aktive Aerodynamik, Hybridantriebe, Torque Vectoring und über 80 Steuergeräte zu einer Performance, die früher als unmöglich galt.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine Carbon-Monocoque-Struktur wie im McLaren 720S oder Ferrari 488 wiegt nur etwa 80 bis 120 Kilogramm und ist drei- bis fünfmal verwindungssteifer als die steifsten Stahl- oder Aluminiumstrukturen.
- Die von Lamborghini mit Callaway Golf entwickelte Forged-Composite-Technologie kam erstmals im Lamborghini Sesto Elemento in größerem Umfang zum Einsatz und ist schneller und günstiger als Prepreg-Carbon.
- Der McLaren P1 erzielte 2013 mit aktiver Aerodynamik bis zu 600 Kilogramm Abtrieb, indem sich die Karosserie um 50 Millimeter absenkt und der Heckspoiler um 300 Millimeter ausfährt.
- Der Lamborghini Revuelto kombiniert einen V12 mit drei Elektromotoren zu 1.001 PS Systemleistung, während der Ferrari LaFerrari 2013 einen 800-PS-V12-Saugmotor mit einem 163-PS-Elektromotor verband.
- Ein Ferrari SF90 Stradale besitzt mehr als 80 elektronische Steuergeräte, die über das Vehicle Dynamics Control System alle Sensordaten in Echtzeit zur optimalen Fahrdynamik zusammenführen.
- Moderne Doppelkupplungsgetriebe schalten in 50 bis 100 Millisekunden; Porsche machte das DKG 2009 mit dem 911 Carrera (997.2) im Segment salonfähig.
- Bugatti druckt Titan-Bremssättel in 45 Stunden, die 40 Prozent leichter sind als Aluminium-Pendants, und Koenigsegg nutzt 3D-Druck mit der Superlegierung Inconel für Auspuffkrümmer und Turboladergehäuse.
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Supersportwagen-Technologie: Die bahnbrechenden Innovationen, die das Unmögliche möglich machen
Supersportwagen sind die rollenden Labore der Automobilindustrie. Was heute in einem Ferrari, Lamborghini oder McLaren debütiert, findet sich morgen in der Mittelklasse wieder. Von aktiver Aerodynamik über hybride Antriebssysteme bis hin zu künstlicher Intelligenz, die das Fahrverhalten optimiert: Die Technologie moderner Supersportwagen sprengt die Grenzen dessen, was vor wenigen Jahrzehnten noch für unmöglich gehalten wurde. Tauchen Sie ein in die faszinierende Welt der Supersportwagen-Technologie.
Die Carbon-Revolution: Leichtbau auf höchstem Niveau
Die wichtigste technologische Innovation der letzten drei Jahrzehnte im Supersportwagenbau ist zweifellos die flächendeckende Einführung von kohlenstofffaserverstärktem Kunststoff, besser bekannt als Carbon. Während in den 1980er Jahren nur einzelne Karosserieteile aus dem exotischen Material gefertigt wurden (der Ferrari F40 hatte Türen und Motorhaube aus Carbon), bestehen moderne Supersportwagen komplett aus dem schwarzen Gold.
Eine Carbon-Monocoque-Struktur, wie sie im McLaren 720S oder Ferrari 488 zum Einsatz kommt, wiegt nur etwa 80 bis 120 Kilogramm und bietet dabei eine Verwindungssteifigkeit, die selbst die steifsten Stahl- oder Aluminiumstrukturen um das Drei- bis Fünffache übertrifft. Diese Steifigkeit ist entscheidend für präzises Fahrverhalten, da sich die Radaufhängungen nicht relativ zueinander bewegen, sondern exakt da bleiben, wo die Ingenieure sie positioniert haben.
Die neueste Entwicklung im Carbon-Bereich ist die Forged-Composite-Technologie, die von Lamborghini in Zusammenarbeit mit Callaway Golf entwickelt wurde. Dabei werden kurze, zufällig orientierte Carbonfasern unter hohem Druck in eine Form gepresst. Das Ergebnis ist ein Material, das in der Herstellung deutlich schneller und günstiger ist als traditionelles Prepreg-Carbon und dennoch außergewöhnliche Festigkeit bietet. Der Lamborghini Sesto Elemento war das erste Fahrzeug, das diese Technologie in größerem Umfang einsetzte.
Aktive Aerodynamik: Der unsichtbare Co-Pilot
Während die ersten Supersportwagen noch mit starren Spoilern und festen Flügeln auskommen mussten, verfügen moderne Fahrzeuge über hochkomplexe aktive Aerodynamiksysteme, die das Fahrzeug in Echtzeit an die Fahrbedingungen anpassen. Die Aerodynamik eines Supersportwagens muss zwei widersprüchliche Anforderungen erfüllen: minimaler Luftwiderstand für Höchstgeschwindigkeit und maximaler Abtrieb für Kurvengrip.
Der McLaren P1 war 2013 einer der ersten, der dieses Dilemma mit aktiver Aerodynamik auflöste. Im Rennmodus senkt sich die gesamte Karosserie um 50 Millimeter ab, und der Heckspoiler fährt um 300 Millimeter aus – der Abtrieb steigt auf sagenhafte 600 Kilogramm. Auf der Autobahn hingegen wird die Karosserie angehoben, der Spoiler eingefahren, und der cW-Wert erreicht optimale Werte für hohe Geschwindigkeiten.
Das vielleicht fortschrittlichste aktive Aerodynamiksystem findet sich im Ferrari SF90 Stradale. Sein „Assetto Fiorano“-Paket umfasst einen zweigeteilten Frontspoiler, aktive Klappen im Unterboden und einen Heckspoiler, der unabhängig voneinander gesteuert werden. Das System reagiert auf Lenkwinkel, Geschwindigkeit, Beschleunigung und Bremsverzögerung innerhalb von Millisekunden und passt den Abtrieb an jedem einzelnen Rad individuell an.
Hybridantriebe: Das Beste aus zwei Welten
Die Elektrifizierung hat vor den Supersportwagen nicht Halt gemacht – im Gegenteil: Die Kombination aus Verbrennungs- und Elektromotor hat eine völlig neue Dimension der Performance eröffnet. Der entscheidende Vorteil ist die sofortige Drehmomentbereitstellung des Elektromotors, die das verzögerte Ansprechverhalten großer Turbolader perfekt kompensiert.
Der Ferrari LaFerrari demonstrierte 2013 das Potenzial dieser Technologie: Sein V12-Saugmotor (800 PS) wird von einem 163 PS starken Elektromotor unterstützt, der nicht nur zusätzliche Leistung liefert, sondern vor allem das Turboloch eliminiert, das der LaFerrari als Saugmotor gar nicht hat – ein scheinbares Paradox, das zeigt, wie präzise Hybridisierung auf den Charakter eines Fahrzeugs abgestimmt werden kann.
Die neueste Generation von Hybrid-Supersportwagen geht noch weiter: Der Lamborghini Revuelto kombiniert den legendären V12 mit drei Elektromotoren (zwei an der Vorderachse, einer am Getriebe) für eine Systemleistung von 1.001 PS. Die beiden vorderen E-Motoren ermöglichen echtes Torque Vectoring – sie können das Drehmoment an jedem Vorderrad unabhängig und nahezu verzögerungsfrei steuern, was eine Agilität ermöglicht, die mit mechanischen Differenzialsperren undenkbar wäre.
Torque Vectoring: Die Revolution der Kurvendynamik
Torque Vectoring ist eine der wirkungsvollsten, aber am wenigsten sichtbaren Technologien moderner Supersportwagen. Das Prinzip: Statt das Drehmoment gleichmäßig auf die Räder einer Achse zu verteilen, wird es aktiv auf das äußere Rad gelenkt, das in einer Kurve mehr Last trägt und mehr Grip bietet. Das Ergebnis ist eine deutliche Reduzierung von Untersteuern und eine Erhöhung der Kurvengeschwindigkeit.
Die mechanische Umsetzung erfolgt über Lamellenkupplungen im Hinterachsdifferenzial, die das Drehmoment millisekundenschnell verteilen. Porsche und Ferrari setzen zusätzlich auf eine elektronisch geregelte Hinterachslenkung, die bei niedrigen Geschwindigkeiten die Hinterräder gegenläufig zu den Vorderrädern einschlägt (wodurch sich das Fahrzeug agiler um die eigene Achse dreht) und bei hohen Geschwindigkeiten gleichläufig (was die Stabilität erhöht).
Im Ferrari 296 GTB arbeitet dieses System so effektiv, dass das Fahrzeug trotz 830 PS Gesamtleistung aus einem V6-Hybrid-Antriebsstrang ein Fahrgefühl vermittelt, das an einen reinrassigen Mittelmotor-Sportwagen erinnert – das System kompensiert die physikalisch eigentlich nachteilige Gewichtsverteilung so perfekt, dass man den Hybrid-Antrieb kaum wahrnimmt.
Das Doppelkupplungsgetriebe: Schaltvorgänge in Lichtgeschwindigkeit
Das Doppelkupplungsgetriebe (DKG) hat das manuelle Getriebe im Supersportwagenbau nahezu vollständig abgelöst, und das aus gutem Grund: Ein modernes DKG schaltet innerhalb von 50 bis 100 Millisekunden – schneller, als ein menschlicher Fahrer auch nur den Kupplungsfuß bewegen kann. Zudem ermöglicht es eine nahtlose Kraftübertragung, da die nächste Gangstufe bereits eingelegt ist, bevor die vorherige ausgekuppelt wird.
Porsche machte das DKG 2009 mit dem 911 Carrera (997.2) im Supersportwagen-Segment salonfähig. Heute ist es in verschiedenen Ausprägungen bei allen Herstellern im Einsatz. Ferrari verwendet ein Siebengang-DKG mit extrem kurzen Schaltzeiten, während Lamborghini ein Siebengang-DKG mit spezieller Abstimmung für die charakteristisch brachiale Gangart der Marke einsetzt.
Interessant ist die Renaissance des manuellen Getriebes im High-End-Segment. Gordon Murrays T.50 und T.33 sind bewusst mit Handschaltgetrieben ausgestattet, und Porsche bietet den 911 GT3 weiterhin optional mit Handschaltung an – ein Zugeständnis an Puristen, die den perfekten Zwischengasstoß der Elektronik nicht überlassen wollen.
Die elektronische Architektur: Das digitale Nervensystem
Die vielleicht revolutionärste, aber am wenigsten sichtbare Technologie moderner Supersportwagen ist ihre elektronische Architektur. Ein Ferrari SF90 Stradale verfügt über mehr als 80 elektronische Steuergeräte, die miteinander kommunizieren und in Echtzeit Fahrwerks-, Antriebs-, Brems- und Aerodynamikparameter anpassen.
Das Herzstück dieser Architektur ist das „Vehicle Dynamics Control System“, das alle Sensordaten – Lenkwinkel, Gaspedalstellung, Quer- und Längsbeschleunigung, Raddrehzahlen, Gierrate – zusammenführt und in Echtzeit die optimale Konfiguration aller Systeme berechnet. Das Ergebnis ist eine Fahrdynamik, die für durchschnittlich talentierte Fahrer Leistungen ermöglicht, die selbst Profis vor wenigen Jahrzehnten nicht erreichen konnten.
Der McLaren 765LT demonstriert die Spitze dieser Entwicklung mit seinem „Proactive Chassis Control II“-System, das unter anderem die Dämpferhärte nicht nur reaktiv (als Reaktion auf Fahrbahnunebenheiten), sondern proaktiv anpasst – basierend auf einer prädiktiven Analyse der Fahrzeugsensoren weiß das System gewissermaßen schon vor dem Ereignis, was passieren wird.
Die Zukunft: Was kommt als Nächstes?
Die Technologie der Supersportwagen schreitet unaufhaltsam voran. Einige der kommenden Innovationen sind bereits absehbar:
Solid-State-Batterien: Die nächste Generation der Batterietechnologie verspricht höhere Energiedichte bei geringerem Gewicht – der Schlüssel für elektrische Supersportwagen, die nicht zwei Tonnen wiegen.
Künstliche Intelligenz im Fahrwerk: Algorithmen, die aus dem Fahrstil lernen und die Fahrzeugabstimmung kontinuierlich optimieren, werden die Fahrdynamik auf ein neues Niveau heben.
3D-Druck in der Fertigung: Komplexe Bauteile, die bisher aus Dutzenden Einzelteilen zusammengebaut werden mussten, können in einem Arbeitsgang gedruckt werden – leichter, stabiler und schneller produziert.
Augmented-Reality-Displays: Hochauflösende Head-Up-Displays projizieren die Ideallinie direkt auf die Straße und blenden Verkehrsinformationen ins Sichtfeld des Fahrers ein. Der Nürburgring-Navigator im Porsche 911 zeigt bereits heute, wohin die Reise geht.
Die Technologie der Supersportwagen ist ein sich selbst antreibender Kreislauf: Fortschritt ermöglicht neue Fahrerlebnisse, die wiederum nach noch mehr Fortschritt verlangen. In diesem Sinne sind Supersportwagen nicht nur die schnellsten Fahrzeuge der Welt – sie sind auch die schnellsten Innovatoren.
Simulation und virtuelles Testing: Die digitale Revolution
Bevor ein neuer Supersportwagen auch nur einen Meter auf echtem Asphalt zurücklegt, hat er bereits hunderttausende virtuelle Kilometer in der Simulation absolviert. Modernste Fahrsimulatoren, wie sie Ferrari in Maranello oder Porsche in Weissach betreiben, sind keine Spielzeuge, sondern hochpräzise Ingenieurswerkzeuge. Sie simulieren nicht nur die Fahrdynamik mit atemberaubender Genauigkeit, sondern auch Aerodynamik, Thermodynamik und sogar die Geräuschentwicklung.
Ferraris Fahrsimulator, entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Formel-1-Team, ist eine der fortschrittlichsten Anlagen der Welt. Er kombiniert eine Full-Motion-Plattform mit einem 360-Grad-Projektionssystem, das selbst die feinsten Nuancen der Fahrbahnbeschaffenheit wiedergeben kann. Testfahrer, aber auch Entwicklungsingenieure können neue Fahrwerksabstimmungen innerhalb von Minuten virtuell testen, wofür früher Wochen an realen Testfahrten nötig waren. Die Zeit von der ersten digitalen Idee bis zum realen Prototyp hat sich dadurch drastisch verkürzt.
Die Simulationstechnologie erstreckt sich auch auf die Produktion: Mittels digitaler Zwillinge wird jeder Arbeitsschritt vorab simuliert und optimiert. Bei der Montage des McLaren Artura im McLaren Production Centre in Woking wird der gesamte Fertigungsprozess digital überwacht und in Echtzeit optimiert, was bei einer Kleinserie von nur wenigen tausend Fahrzeugen pro Jahr eine bemerkenswerte Disziplin ist.
3D-Druck und fortschrittliche Fertigungstechnologien
Der 3D-Druck, auch additive Fertigung genannt, revolutioniert die Supersportwagen-Fertigung auf mehreren Ebenen. Komplexe Bauteile, die früher aus Dutzenden von Einzelteilen geschweißt, geschraubt oder geklebt werden mussten, können heute in einem einzigen Arbeitsgang gedruckt werden. Das spart nicht nur Gewicht, sondern erhöht auch die Festigkeit, da es keine Schwachstellen durch Verbindungsnähte gibt.
Bugatti druckt Bremssättel aus Titan – ein Prozess, der 45 Stunden dauert, aber einen Bremssattel produziert, der 40 Prozent leichter ist als ein konventionell gefertigtes Aluminium-Pendant. Porsche setzt 3D-Druck ein, um Ersatzteile für längst nicht mehr produzierte Modelle herzustellen, ohne teure Werkzeugformen anfertigen zu müssen. Für Besitzer eines klassischen Porsche 959 oder Carrera GT ist dies eine gute Nachricht: Selbst wenn die Original-Formen nicht mehr existieren, können benötigte Teile in Kleinstserie gedruckt werden.
Die nächste Evolutionsstufe ist der 3D-Druck mit Metall-Legierungen, die bisher nur in der Luft- und Raumfahrt zum Einsatz kamen. Inconel, ein extrem hitzebeständiges und festes Nickel-Chrom-Superlegierung, wird von Koenigsegg für Auspuffkrümmer und Turboladergehäuse verwendet – Teile, die thermischen und mechanischen Belastungen standhalten, die herkömmliche Materialien schmelzen würden.
Konnektivität und Over-the-Air-Updates
Moderne Supersportwagen sind rollende Computer mit mehr als 80 Steuergeräten, und wie jeder Computer benötigen sie regelmäßige Software-Updates. Over-the-Air-Updates (OTA), die per Mobilfunknetz direkt ins Fahrzeug übertragen werden, sind der letzte Schrei. Ein Ferrari Roma oder SF90 Stradale kann Verbesserungen an Motorsteuerung, Getriebelogik und Fahrwerksabstimmung erhalten, ohne jemals eine Werkstatt zu besuchen.
Tesla war der Pionier dieser Technologie, und die etablierten Supersportwagen-Hersteller ziehen nach. Lamborghini bietet OTA-Updates für den Revuelto an, Porsche für den Taycan und den kommenden elektrischen 718. Der entscheidende Vorteil: Fehlerbehebungen und Leistungsoptimierungen können innerhalb von Tagen nach der Entdeckung an alle Kunden ausgerollt werden, statt auf den nächsten Werkstattbesuch warten zu müssen.
Neben den technischen Updates eröffnen OTA-Funktionen auch neue Geschäftsmodelle. Porsche bietet „Functions on Demand“ an: Kunden können Features wie die adaptive Geschwindigkeitsregelung, den Spurhalteassistenten oder zusätzliche Performance-Fahrmodi temporär oder dauerhaft freischalten lassen – gegen Gebühr, versteht sich. Bei Ferrari können Besitzer ihr Fahrzeug mit personalisierten Einstellungen für Motor, Getriebe und Fahrwerk programmieren und diese Konfigurationen per Cloud mit anderen Fahrern teilen. Die Grenze zwischen Software- und Automobilindustrie verschwimmt zunehmend.
Die Sensor-Revolution: Wie Supersportwagen ihre Umgebung wahrnehmen
Moderne Supersportwagen sind mit einer Vielzahl von Sensoren ausgestattet, die in Echtzeit Daten über Fahrzeugzustand, Fahrbahnbeschaffenheit und Umgebung liefern. Kameras, Radar, Lidar und Ultraschallsensoren arbeiten zusammen, um ein 360-Grad-Bild der Umgebung zu erstellen, das weit über die menschliche Wahrnehmungsfähigkeit hinausgeht. Diese Sensorfusion ist nicht nur die Grundlage für Assistenzsysteme, sondern ermöglicht völlig neue Fahrerlebnisse.
Der Ferrari SF90 Stradale nutzt beispielsweise einen nach vorn gerichteten Radar und eine Stereokamera, um den vorausfahrenden Verkehr zu erkennen und die adaptive Geschwindigkeitsregelung auch bei hohen Geschwindigkeiten präzise zu steuern. Der Lamborghini Revuelto verfügt über ein inertial Measurement Unit (IMU), das Beschleunigungen in allen drei Raumachsen mit einer Genauigkeit von tausendstel g misst. Diese Daten fließen in Echtzeit in die Fahrdynamikregelung ein und ermöglichen eine Anpassung der Dämpferhärte und Kraftverteilung innerhalb von Millisekunden.
Eine besonders faszinierende Entwicklung sind Reifensensoren, die nicht nur den Druck, sondern auch die Temperatur jedes einzelnen Reifens in Echtzeit messen. Der McLaren 765LT nutzt diese Daten, um den optimalen Reifendruck für die aktuelle Fahrbahnbeschaffenheit und Fahrweise zu empfehlen. In Kombination mit GPS-Daten und Streckenkarten kann das System sogar vorhersagen, wann die Reifen ihre optimale Betriebstemperatur erreichen – eine Information, die auf der Rennstrecke wertvoller ist als 50 zusätzliche PS.
Die nächste Generation der Sensorik wird die Kommunikation zwischen Fahrzeugen (V2V) und zwischen Fahrzeug und Infrastruktur (V2I) umfassen. Ein Supersportwagen, der von einer bevorstehenden Kurve, einer Gefahrenstelle oder einem langsameren Fahrzeug hinter der nächsten Kuppe „weiß“, kann seine Systeme proaktiv anpassen, bevor der Fahrer die Situation überhaupt wahrnimmt. Diese Technologie, die aktuell in der Formel 1 getestet wird, dürfte innerhalb der nächsten fünf Jahre in Supersportwagen Einzug halten.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Warum bestehen moderne Supersportwagen wie der McLaren 720S aus Carbon?
Weil Carbon extreme Steifigkeit bei minimalem Gewicht bietet. Eine Carbon-Monocoque-Struktur wie im McLaren 720S oder Ferrari 488 wiegt nur etwa 80 bis 120 Kilogramm und ist drei- bis fünfmal verwindungssteifer als die steifsten Stahl- oder Aluminiumstrukturen. Diese Steifigkeit hält die Radaufhängungen exakt in Position und sorgt so für präzises Fahrverhalten.
Was ist die Forged-Composite-Technologie von Lamborghini?
Forged Composite ist eine von Lamborghini in Zusammenarbeit mit Callaway Golf entwickelte Carbon-Technologie. Dabei werden kurze, zufällig orientierte Carbonfasern unter hohem Druck in eine Form gepresst. Das Material ist deutlich schneller und günstiger herzustellen als traditionelles Prepreg-Carbon und dennoch außergewöhnlich fest. Der Lamborghini Sesto Elemento setzte es erstmals in größerem Umfang ein.
Wie funktioniert aktive Aerodynamik beim Ferrari SF90 Stradale?
Das Assetto-Fiorano-Paket des Ferrari SF90 Stradale umfasst einen zweigeteilten Frontspoiler, aktive Klappen im Unterboden und einen Heckspoiler, die unabhängig voneinander gesteuert werden. Das System reagiert innerhalb von Millisekunden auf Lenkwinkel, Geschwindigkeit, Beschleunigung und Bremsverzögerung und passt den Abtrieb an jedem einzelnen Rad individuell an.
Welche Vorteile bietet ein Hybridantrieb im Supersportwagen wie dem Lamborghini Revuelto?
Der Hybridantrieb liefert sofortiges Drehmoment des Elektromotors und kompensiert das verzögerte Ansprechverhalten großer Turbolader. Der Lamborghini Revuelto kombiniert einen V12 mit drei Elektromotoren zu 1.001 PS Systemleistung. Die beiden vorderen E-Motoren ermöglichen echtes Torque Vectoring, das das Drehmoment an jedem Vorderrad unabhängig und nahezu verzögerungsfrei steuert.
Was ist Torque Vectoring bei Supersportwagen?
Torque Vectoring lenkt das Drehmoment aktiv auf das äußere Rad, das in einer Kurve mehr Last trägt und mehr Grip bietet, statt es gleichmäßig zu verteilen. Das reduziert Untersteuern und erhöht die Kurvengeschwindigkeit. Umgesetzt wird es über Lamellenkupplungen im Hinterachsdifferenzial, die das Drehmoment millisekundenschnell verteilen.
Wie schnell schaltet ein Doppelkupplungsgetriebe im Supersportwagen?
Ein modernes Doppelkupplungsgetriebe (DKG) schaltet innerhalb von 50 bis 100 Millisekunden, schneller als ein Fahrer den Kupplungsfuß bewegen kann. Es ermöglicht nahtlose Kraftübertragung, da die nächste Gangstufe bereits eingelegt ist, bevor die vorherige ausgekuppelt wird. Porsche machte das DKG 2009 mit dem 911 Carrera (997.2) im Segment salonfähig.
Wie viele Steuergeräte hat ein moderner Supersportwagen wie der Ferrari SF90 Stradale?
Ein Ferrari SF90 Stradale verfügt über mehr als 80 elektronische Steuergeräte, die miteinander kommunizieren und in Echtzeit Fahrwerks-, Antriebs-, Brems- und Aerodynamikparameter anpassen. Das Vehicle Dynamics Control System führt alle Sensordaten zusammen, etwa Lenkwinkel, Beschleunigung, Raddrehzahlen und Gierrate, und berechnet daraus laufend die optimale Konfiguration aller Systeme.
Wie verändert 3D-Druck die Fertigung von Supersportwagen?
Der 3D-Druck erlaubt es, komplexe Bauteile in einem Arbeitsgang zu drucken, was Gewicht spart und durch fehlende Verbindungsnähte die Festigkeit erhöht. Bugatti druckt Titan-Bremssättel in 45 Stunden, die 40 Prozent leichter sind als Aluminium-Pendants. Koenigsegg nutzt die Superlegierung Inconel für Auspuffkrümmer und Turboladergehäuse, Porsche fertigt Ersatzteile für alte Modelle.


